Paris. Vielleicht ist er ja der Mann, auf den die Franzosen warten, seit Nicolas Sarkozy sie so bitter enttäuscht hat. Einer, der wie ein Revolutionär althergebrachte Regeln umwirft und die Menschen mitreißt mit seinem Versprechen, er will "Politik anders machen". Einer, der nicht zaudert und zögert wie Präsident François Hollande, sondern forsch voranmarschiert.

Das jedenfalls hat Emmanuel Macron nun getan mit der Vorstellung einer neuen Partei in seiner nordfranzösischen Heimatstadt Amiens. Ohne große Slogans, mit Einladungen nur über soziale Netzwerke, aber mit einem bezeichnenden Namen: "En marche", "In Bewegung". Sie stehe weder links noch rechts, versicherte der parteilose Wirtschaftsminister, sondern wolle möglichst viele Menschen um ein gemeinsames Projekt versammeln.

Ganz neu ist die Idee zwar nicht. Mit mäßigem Erfolg haben Zentrumspolitiker bereits versucht, die politische Mitte zu besetzen. Frankreichs Zwei-Parteien-System wirklich zu durchbrechen gelang bisher aber nur dem rechtsextremen Front National.

Doch Macrons Vorgehen erscheint anders und ungewöhnlich für ein Kabinettsmitglied, so wie es auch die Laufbahn des 38-jährigen Macron ist: Nach einem Studium an der Elitehochschule ENA arbeitete der gelernte Philosoph im Finanzministerium, bei einem Wirtschaftsinstitut und als Investmentbanker bei Rothschild & Cie. Als ihn der frühere konservative Präsident Nicolas Sarkozy anheuern wollte, winkte er ab; stattdessen wurde er wirtschaftspolitischer Berater von dessen Nachfolger sozialistischem Hollande. Schließlich trat Macron ins Kabinett und in die hohe Politik ein, ohne sich je einer Wahl gestellt zu haben. Seither eckt der Jungpolitiker mit dem gewinnenden Lächeln immer wieder an, provoziert mit seinem unerschütterlichen Selbstvertrauen; weil er auch noch gut Klavier spielt, wird er "Mozart" genannt. "Ganz Paris hat ihm gesagt, er sei der nächste Kennedy - bis er es selbst glaubte", spottet ein Sozialist anonym.

"Erfrischend" nennt ihn hingegen Arbeitgeberpräsident Pierre Gattaz, der auf einer Linie mit dem 39-Jährigen ist - einer reformerischen, liberalen Linie, die viele Sozialisten ablehnen. Macron stellt linke Errungenschaften wie die 35-Stunden-Woche oder den Status von Beamten in Frage. Im letzten Jahr setzte er ein Liberalisierungsgesetz durch, das etwa mehr Sonntagsöffnungen einführte.

Obwohl - oder gerade weil - Macron solche sensiblen Themen frontal angeht, gehört er zu Frankreichs beliebtesten Politikern. Auch Premierminister Manuel Valls, der bisher als aussichtsreichster Nachfolgekandidat galt, falls Hollande nicht nochmals antritt, wirkt blass gegen ihn. Zwar betont Macron seine Loyalität - doch mit der spielerisch wirkenden Angriffslust erinnert er an einen anderen politischen Shootingstar, den italienischen Premierminister Matteo Renzi.

Auch in seinem Privatleben bricht Macron Tabus. Als er sich als 17-Jähriger in seine Französischlehrerin, eine verheiratete Mutter, verliebte, kam es zum Skandal. Heute sind die beiden verheiratet, und er zeigt sich ganz selbstverständlich mit der 20 Jahre älteren Frau an seiner Seite.