Luxemburg/Wien. (sig) Es war die bisher schwierigste Mission der Menschenrechtsorganisation SOS Mediterannee, die sich unter Regie der italienischen Küstenwache an Rettungsaktionen im Mittelmeer beteiligt: Nachdem bereits am Samstag 116 Menschen aus Seenot gerettet worden waren, gelang es der NGO am Sonntag, 108 Menschen aus dem Mittelmeer an Bord ihres Schiffes "Aquarius" zu holen. Überlebenden zufolge hatten sich ursprünglich mindestens 135 Menschen vom libyschen Sabratha auf den Weg gemacht. Doch die See war stürmisch, die Wellen zwei Meter hoch. Das Schlauchboot, mit dem sich die Menschen neun Stunden zuvor auf den Weg gemacht hatten, stand bereits unter Wasser, als die Rettungskräfte eintrafen. Einige Menschen sprangen in Panik ins Meer, zwei von ihnen ertranken. Am Boden des Bootes wurden sechs Tote entdeckt.

Es blieb aber nicht bei diesem einen Unglück. Laut Angaben aus Italien hat es eine weitere Tragödie mit noch viel mehr Toten gegeben. Italienische Medien berichteten von der Havarie mehrere Boote, die Italien von Ägypten aus erreichen wollten. Mehr als 400 Menschen wurden zunächst vermisst.

Befugnisse im Kampf gegen Schlepper

Die aktuellen Dramen zeigen, dass sich trotz schwierigster Bedingungen immer wieder Boote von Libyen und anderen Ländern Nordafrikas aus auf den Weg Richtung Europa machen. Das ist auch Thema des Treffens der europäischen Außen- und Verteidigungsminister in Luxemburg, das am Montag begonnen hat.

Konkret geht es um die Frage, ob die EU-Marineoperation vor der libyschen Küste in die Hoheitsgewässer des Staates ausgeweitet werden kann. Bisher kann die im Vorjahr im Kampf gegen illegale Migration gestartete Operation zwar Flüchtlinge retten (bisher waren es rund 13.000) - gegen die Schlepper am Festland ist sie aber machtlos.

Und so warten mindestens 200.000 Migranten in Libyen auf eine Überfahrt nach Europa. Das französische Innenministerium geht sogar von 800.000 Menschen aus, die von dort in die EU weiterreisen wollen. Kein Wunder also, dass Europa nervös wird. Er hoffe nun, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault vor Beginn des Treffens in Luxemburg, dass der EU-Rat am Montag und Dienstag Fortschritte bei der Stabilisierung Libyens bringen werde. Das Land brauche eine Dringlichkeitshilfe, um seine Sicherheits- und Polizeikräfte neu zu organisieren und so die Grenzen und Küsten schützen zu können.