Doch die Gläubiger bleiben hart. Tsipras steckt in der Zwickmühle: Er will zwar eine schnelle Einigung. Gäbe er aber nach, wären nicht nur die weiteren Sparschritte zu konkretisieren - im sparmüden Hellas ist dies alleine schon eine Herkulesaufgabe. Ferner wäre zu klären, wann exakt welche konkrete Sparmaßnahme zu aktivieren wäre - objektiv eine hochkomplexe Sache.

Fakt ist: Ein von Athen geforderter Euro-Sondergipfel der Staats-und Regierungschefs zu den Hellas-Verhandlungen findet vorerst nicht statt. Tsipras rief am Mittwoch EU-Ratspräsident Donald Tusk an, um darüber seinen Verdruss zum Ausdruck zu bringen. Zugleich ersuchte er um einen baldigen EU-Sondergipfel der Regierungschefs. Doch Tusk erteilte Tsipras eine Abfuhr. Auch der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verwies Tsipras auf die Eurogruppe.

Für Griechenlands Premier ist dies alles ein Fiasko. Ursprünglich wollte Athen rechtzeitig vor dem christlich-orthodoxen Osterfest am 1. Mai die erste, längst überfällige Überprüfung des im vorigen Juli vereinbarten Kreditprogramms endlich abschließen. Tsipras’ Narrativ: So soll die darniederliegende griechische Wirtschaft "abheben".

Hellas‘ Staatsbankrott steht jedenfalls nicht bevor, zumindest nicht unmittelbar. Denn der Mai ist ein "leichter Monat". "Nur" 450 Millionen Euro an Schuldenzahlungen sind fällig. Auch den Juni können die Griechen mit 706 Millionen Euro wohl noch stemmen. Ohne frische Gelder droht Hellas die Staatspleite aber im Juli, wenn rund 3,5 Milliarden Euro zu berappen sind.

Wie schon bei der jüngsten Episode des schier unendlichen Griechenland-Dramas im Frühling 2015 kratzt die Regierung Tsipras wieder jeden Euro zusammen. Sie wies unter anderem die Arbeitsagentur OAED, die Gesundheitskasse EOPPY sowie Athens Parlament an, ihre Rücklagen auf ein Notenbank-Konto zu überweisen. Tsipras braucht die Gelder nicht zuletzt in der Flüchtlingskrise.

Trotz leerer Staatskassen: Die Regierung Tsipras brachte mitten im Verhandlungspoker mit der Gläubiger-Quadriga eine Gesetzesänderung ins Parlament ein, wonach Hellas‘ Kommunalangestellte mehr Gehalt bekommen - und zwar rückwirkend. Für die Gläubiger-Quadriga ein Affront.