Rajoy lässt keine Gelegenheit aus, die Spanier vor den "linksextremen Abenteuern" von Podemos zu warnen, die die noch zaghafte spanische Wirtschaftserholung wieder in Gefahr brächten.

Gerne schaut er dabei nach Griechenland, wo Podemos Schwesterpartei Syriza regiert. In Anspielung auf das als Ikea-Katalog präsentierte Wahlprogramm von "Unidos Podemos" erklärte Rajoy beim Kampagnenauftakt denn auch: "Sie geben sich schwedisch, um das Griechische zu verstecken."

Iglesias gibt sich gemäßigt


Podemos geht ähnlich vor. Pablo Iglesias spricht von den sozialdemokratischen Sozialisten gerne abfällig als "die alte Sozialdemokratie", die durch Podemos als "neue Sozialdemokratie" abgelöst wird, um der sozial unverträglichen Spar- und Rotstiftpolitik der Konservativen endlich ein Ende zu setzen.

Zwar stufen sich nur zehn Prozent der Podemos-Wähler als sozialdemokratisch ein. Doch Iglesias verkauft sich seit einigen Tagen mit Blick auf die potenziellen sozialistischen Wechselwähler plötzlich als gemäßigter Sozialdemokrat mit Krawatte. Sánchez kontert, versucht mit einem Linksruck und sozialpolitischen Schwerpunkten wie der Erhöhung des Mindestlohns Stammwähler zurückzugewinnen, die im Dezember zu Podemos wechselten.

Die Strategie der Konservativen und Linksextremen, die Wahlen zu einem Zweikampf zu machen, degradiert die Sozialisten aber zu einer gefährlichen Statistenrolle.

Die Frage, wer zweitstärkste Partei nach den Konservativen wird, ist dabei enorm wichtig. Podemos und Sozialisten brauchen einander, um nach den Wahlen regieren zu können. Doch nur der Stärkere wird den Premier stellen und seine politischen Ideen leichter durchsetzen können.

Entscheidend ist auch, wie stark die liberale Partei Ciudadanos wird. Denn die Machtverhältnisse dürften sich auch nach den Neuwahlen nicht sonderlich verschieben. Die jüngste CIS-Umfrage verspricht ihnen mit 14,6 Prozent einen Punkt mehr als im Dezember. Sollten die Konservativen mit ihrer Angstkampagne über 30 Prozent erhalten, könnte es auch zu einer Mitte-Rechts-Regierung kommen. Alles hängt nun von den knapp 32 Prozent Unentschlossenen ab.