Straßburg. (sig) Nigel Farage, Ritter des Brexit, selbsternannter Vertreter des kleinen Mannes, ist am Mittwoch im Europaparlament in Straßburg wieder einmal für eine Überraschung gut. Dutzende Journalisten warten auf den Europaabgeordneten und Ex-Chef der Anti-EU-Partei Ukip, etliche Kameraleute haben ihre Objektive auf den Eingangsbereich zum Pressesaal gerichtet. Doch Farage schleicht sich unbemerkt hinein, kommt einfach durch eine andere Türe. Als die Kameraleute das bemerken, hat er bereits Platz genommen. "Es war ein großer Sieg der einfachen und anständigen Leute gegen die Großen, die Banken, gegen die Reichen und Mächtigen", leitet Farage seine Rede ein. Während die EU "langsam stirbt", sei Großbritannien nun wieder ein "freies Land", das eigene Handelsabkommen mit Staaten abschließen könne.

Es versteht sich von selbst, dass Farage vom EU-Austritt Großbritanniens keine Nachteile für die britische Wirtschaft erwartet. Er sei zuversichtlich, dass dabei gute Ergebnisse für Großbritannien herauskämen. Schließlich würden auch die französischen Wein- und Champagnerproduzenten und die deutschen Autobauer entsprechenden Druck ausüben. "Der Kunde ist König, und wir sind der Kunde", so Farage selbstbewusst.

Auf den Vorwurf, er und das Brexit-Lager seien im Vorfeld der Abstimmung mit Lügen auf Stimmenfang gegangen, holte Farage zum Gegenvorwurf aus: Die Lügen der Remain-Kampagne seien noch schlimmer gewesen. So habe er selbst nie behauptet, dass 350 Millionen Pfund, die London pro Woche nach Brüssel überweise, nach einem Brexit ins britische Gesundheitssystem fließen würden.

Seine heftig kritisierte Entscheidung zurückzutreten verteidigt Ukip-Chef Farage: "Meine Mission ist erfüllt." Viele fragen sich, was nun, da er sein Ziel erreicht hat, für Farage noch zu tun ist. Sein Mandat im Europaparlament will er vorerst behalten, um die Austrittsverhandlungen als Abgeordneter "genau zu beobachten". Farage, der seit 17 Jahren Europaabgeordneter ist, werde "das Drama und Theater" in Brüssel und Straßburg, ja, "selbst die Buhrufe und das Geschrei" schmerzlich vermissen. Er hoffe, dass ein neuer, starker Premierminister Großbritanniens nun rasch den Artikel 50 des EU-Vertrags aktiviere und damit die Brexit-Verhandlungen einleite. Regierungschef David Cameron war zurückgetreten, nachdem das Brexit-Lager das Referendum gewonnen hatte.

Die Verhandlungen mit Brüssel soll nun sein Nachfolger führen, der voraussichtlich im September ernannt wird. Die besten Chancen hat Theresa May. Die derzeitige Innenministerin kündigte bereits an, sich mit dem Antrag auf einen EU-Austritt Zeit lassen zu wollen - schloss aber einen "Exit vom Brexit" aus.