Grafik zum Vergrößern bitte anklicken.
Grafik zum Vergrößern bitte anklicken.

BrüsselWarschau. (czar/reu) Für die Polen ist es ein Großereignis von besonderer Bedeutung. Wenn am Freitag die Spitzenvertreter von EU und Nato samt US-Präsident Barack Obama zum Nato-Gipfel nach Warschau reisen, wollen sie nicht nur ihre organisatorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Seit Wochen halten Militär und Sicherheitsbehörden Übungen ab, sind die Einheiten in Alarmbereitschaft, wird die Bevölkerung auf Verkehrsbehinderungen in der Hauptstadt vorbereitet. Gleichzeitig jedoch ist das Treffen für den Gastgeber von großem politischem Gewicht: Polen will dem benachbarten Russland demonstrieren, dass es auf dessen aggressive Außenpolitik nicht nur verhaltene Antworten gibt.

Denn die Nato setzt mittlerweile auf Abschreckung - wenn auch nicht so deutlich, wie es sich Warschau gewünscht hätte. Eine ständige Präsenz von Truppen an der östlichen Grenze des Bündnisses wird es vorerst nämlich nicht geben. Stattdessen will das Militärbündnis nach Polen und in die baltischen Staaten vier Bataillone mit rund 4000 Soldaten entsenden, die immer wieder ausgetauscht werden. Die Osteuropäer waren es denn auch, die während des Konflikts um die Ukraine und noch vor der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland immer wieder vor Expansionsgelüsten des Kreml gewarnt haben - und die Frage aufgeworfen haben, ob ihnen selbst die Nato-Partner im Fall eines russischen Angriffes zur Hilfe eilen würden. Die Nato-Russland-Grundakte, eine Vereinbarung von vor fast zwanzig Jahren über die Nicht-Stationierung von Truppen im Osten, ist für sie hinfällig. Die Westeuropäer und US-Amerikaner sind in ihrer Beurteilung vorsichtiger.

Konfrontieren und reden


Als Kompromiss wurde das Rotationsprinzip fixiert. Kein unwesentlicher Teil der Truppen kommt aus Deutschland - etwa der Verband in Litauen. Daneben stellen die USA, Großbritannien und Kanada jeweils ein Bataillon. Die Kanadier sprangen ein, da sich größere EU-Staaten wie Spanien oder Italien nicht in der Lage sahen, eine dritte europäische Kampfeinheit zu organisieren.

Erwartungsgemäß löste das Vorhaben scharfe Kritik im Kreml aus. Von "konfrontativen Schritten gegen uns" sprach Präsident Wladimir Putin - und von möglichen Gegenmaßnahmen. Prompt wurde die Überlegung lanciert, Iskander-Kurzstreckenraketen in die an Polen und Litauen grenzende Exklave Kaliningrad zu verlegen.