Ankara. (afp/dpa) Die "Säuberungen" der türkischen Regierung nach dem Putschversuch schreiten voran. Nun gehen die Behörden auch gegen Journalisten vor: Die Istanbuler Staatsanwaltschaft ordnete am Montag die Festnahme von 42 Journalisten an. Darunter ist die prominente Regierungskritikerin Nazli Ilicak, deren Haus in Istanbul durchsucht wurde. Laut Berichten wird nach ihr im Ferienort Bodrum gefahndet.

Laut Agenturberichten richten sich die Ermittlungen gegen Medien aus dem Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen, den die Regierung für den Putschversuch verantwortlich macht. Bei Razzien gegen Gülen-Anhänger in Istanbul seien 31 Akademiker festgenommen worden, darunter Professoren. Seit dem Putschversuch sind insgesamt mehr als 13.000 Verdächtige festgenommen worden, rund 45.000 Staatsbedienstete wurden suspendiert. Die Maßnahmen haben international Kritik ausgelöst. Wie am Montag bekannt wurde, soll nun auch das Außenministerium von Anhängern der Gülen-Bewegung "gesäubert" werden. "Auch auf der Botschafterebene wird es Suspensionen geben", sagte Ressortchef Mevlüt Cavusoglu dem Sender Habertürk.

Indes geht Präsident Erdogan auf weite Teile der parlamentarischen Opposition zu. Am Sonntagabend konnten Zehntausende Menschen einem Aufruf der größten Oppositionspartei CHP folgen, um auf dem Taksim-Platz gegen den Putschversuch zu demonstrieren. Normalerweise lässt die Regierung dort keine Demonstrationen von Regierungskritikern zu, Proteste werden gewaltsam aufgelöst. Doch diesmal begrüßte die AKP die Demonstration. Am Montag lud Erdogan die Vertreter der Oppositionsparteien, der sozialdemokratischen CHP und der ultrarechten MHP, in den Präsidentenpalast ein, um sich für ihre entschlossene Haltung gegen den Putschversuch zu bedanken und zusammen die jüngsten Ereignisse zu bewerten. Nicht eingeladen war die pro-kurdische HDP. Sie hatte den Putschversuch zwar ebenfalls verurteilt, Erdogan aber vorgeworfen, ihn zu missbrauchen, um Gegner auszuschalten und Freiheiten einzuschränken.

"Eine Schwäche, ein Versagen"

Ins Zwielicht geraten ist nun auch Erdogans Geheimdienstchef Hakan Fidan. Der Generalstab des Militärs behauptet, am 15. Juni bereits Stunden vor dem Beginn des Putschversuchs von Fidans Nachrichtendienst MIT darüber informiert worden zu sein. Erdogan soll aber erst später aus seinem privaten Umfeld in Kenntnis gesetzt worden sein. Als er Fidan daraufhin anrief, war dieser angeblich nicht zu erreichen. Direkt nach dem Umsturzversuch soll Erdogan den Geheimdienstchef wüst beschimpft haben. Erdogan soll gesagt haben, dass Fidan nun angezählt sei.

Doch die Wogen scheinen wieder geglättet: Nach einer Aussprache mit Fidan sagte Erdogan nun, der Geheimdienstchef habe "nicht seinen Rücktritt angeboten - wir haben nicht darüber gesprochen". Wie Erdogans Erklärung nach dem Putschversuch zu verstehen ist, es habe in der geheimdienstlichen Aufklärung "eine Schwäche, ein Versagen" gegeben, ist also nach wie vor unklar.