London. (ast) Je älter die Wähler waren, desto eher stimmten sie am 23. Juni in Großbritannien für einen Austritt aus der Europäischen Union. Im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen votierten die über 65-Jährigen mit 60 Prozent am deutlichsten für einen Brexit. Ob das Auskommen im Ruhestand aus privater oder staatlicher Vorsorge kommt, machte bei der Abstimmung wenig Unterschied: Mehr als die Hälfte der Wähler mit privater Pension stimmte für den Austritt aus der weltgrößten Handelsmacht, wie auch zwei Drittel der Wähler mit staatlicher Pension.

Die Wählerschaft, die das offizielle Pensionsalter in Großbritannien erreicht hat, wird manche Auswirkungen des Brexits vielleicht nicht mehr erleben, aber genau jene sind es, die von Pensionen abhängig sind und diese Abhängigkeit wird mit der bevorstehenden Unabhängigkeit ihres Landes schmerzlich zu spüren sein. Denn die britische Altersvorsorge ist seit dem Brexit-Votum von einer großen Finanzierungslücke bedroht. Nachdem vor allem junge Briten nach dem Referendum verärgert über die Entscheidung der vornehmlich älteren Brexit-Anhänger war, sind diese nun selbst von den Auswirkungen betroffen.

Rekorddefizit bei Pensionen

Das britische Pensionssystem finanziert sich gewöhnlich über Betriebsrenten, die vom Arbeitgeber mitfinanziert werden und eine monatliche Auszahlung im Ruhestand garantieren. Die Auswirkungen des Brexit-Votums auf die Altersversorgung hat die britische Pensionsberatung Hymans Robertson untersucht: Das Pensionsdefizit in Großbritannien stieg in der Nacht nach dem Referendum von 820 Milliarden auf 900 Milliarden Pfund an. Bis zum 1. Juli erreichte das Defizit eine Rekordhöhe von 935 Milliarden Pfund, wie Bloomberg berichtete. Da die hohen Gewinne nach dem Referendum fielen, wuchs die Finanzierungslücke der britischen Altersvorsorge. Zeitgleich fielen die britischen Renditen der Staatsanleihen auf Rekordtiefe (siehe Grafik), ebenso gingen die Renditen der Unternehmensanleihen in den Keller. Das führte auch zu der leichten Zunahme der betrieblichen Altersvorsorge.

Denn feste Einkommen machen 47,5 Prozent der gesamten Vermögenswerte der Unternehmenspensionsfonds im Jahr 2014 aus, von denen rund drei Viertel von der britischen Regierung ausgegeben wurden.

Gewinne fallen, Defizit wächst