Frankfurt/Mailand. (ast) Drei Jahre schwere Rezession, Börsenabstürze und einbrechende Immobilienpreise mit diesem finanzwirtschaftlichen Horrorszenario testeten die Europäische Zentralbank (EZB) und die Europäische Bankenaufsicht (EBA) unter dem Vorsitz von Mario Draghi 51 Banken in der Europäischen Union und Norwegen. Das Ergebnis des Stresstests: insgesamt zufriedenstellend, so die verbreitete Meinung. Zehn der 51 getesteten Banken weisen nach einem Krisenszenario, das ähnlich der Finanzkrise 2008 abläuft, jedoch eine Kernkapitalquote unter acht Prozent auf. Im tatsächlich eintretenden Krisenfall hätten diese Bankenhäuser zu wenig Geld.

Neben der Raiffeisen Landesbanken Holding trifft dies unter anderem auch auf die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit zu. Die größten Sorgenkinder sind jedoch die drittgrößte Bank Italiens, die Monte dei Paschi di Siena (MPS) mit lediglich minus 2,44 Prozent und die irische Allied Irish Bank mit 4,31 Prozent Kernkapitalquote. Neben dem ermittelten Risikopuffer weist die EBA auch die sogenannte Leverage Ratio der Banken im Krisenfall aus. Der erlaubte Verschuldungsgrad sieht eine Begrenzung auf drei Prozent der Bilanzsumme vor. Der Schuldenhebel wird so auf das 33-fache des Eigenkapitals begrenzt. Auch hier belegt die MPS den letzten Platz mit minus 0,65 Prozent, gefolgt von der Bank Nederlandse Gemeenten mit 2,08 und der Bayrischen Landesbank mit 2,95 Prozent. Weitere Banken schafften es nur knapp über die Verschuldungsgrenze. Diese Kandidaten verwenden in Relation zu ihrem Eigenkapital zu viel Kapital für ihre Geschäfte.

Wackeliger Rettungsplan

Die italienischen Banken schieben Schätzungen zufolge faule Kredite in der Höhe von 360 Milliarden Euro vor sich her und stehen deshalb besonders unter Druck. Die offiziell schlechteste Bank Europas ist, wie beim Stresstest 2014, die MPS. Die älteste Bank der Welt teilte am Freitag kurz vor der Bekanntgabe der Test-Ergebnisse jedoch mit, dass ein Rettungsplan bereits beschlossen sei und von den europäischen Aufsehern genehmigt vorliege. Der Plan sieht eine Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro vor, mit denen man sich der faulsten Kredite mit einem Volumen von 28 Milliarden Euro entledigen will.

Gerade mit Blick auf Italiens Bankenlandschaft sehen viele nach der Veröffentlichung der Ergebnisse noch lange keinen Grund zur Entwarnung. Allein die MPS soll auf faulen Kredite in der Höhe von rund 48 Milliarden Euro sitzen, die dem Ruf und den Bilanzen der Bank schon seit längerer Zeit zusetzen.

Nachdem die italienische Regierung über Monate hinweg gegen die Regeln der 2014 in Kraft getretenen Bankenunion für eine staatliche Hilfe bei der Rettung der Bank plädiert hatte, setzte die Chefetage der Bank am Freitag auf privatwirtschaftliche Sanierungsmethoden.

Kritiker sehen darin jedoch ein erneutes Aufschieben, hat die Problembank doch in den letzten zwei Jahren bereits ihr Kapital um acht Milliarden erhöht - und gleich wieder ausgegeben. Ohne Sanierungsstrategie riskiert die Bank von Investoren gemieden zu werden und würde, wie zwei italienische Regionalbanken im April, von dem von der Regierung initiierten Bankenstützungsfonds "Atlante"aufgefangen werden müssen.

Aufwind für Monte Paschi

Die Resultate der Stresstests im Überblick.
Die Resultate der Stresstests im Überblick.

Steht nun das Bankenkonsortium laut EZB fest, das die Kapitalerhöhung garantieren werde, so ist das Abstoßen der faulen Kredite doch ein risikoreiches Unterfangen. Die weniger werthaltigen faulen Kredite sollen jedenfalls in einem noch zu gründenden weiteren Rettungsfond "Atlante 2" übernommen werden. Die UniCredit will den Fonds mit 320 Millionen Euro mitfinanzieren und Konkurrent Intesa Sanpaolo zieht gleich, berichtete die "La Repubblica".

Bewerten die Ratingagenturen jedoch das Kreditportfolio schlecht, dürfte es noch schwieriger sein, Investoren zu gewinnen. Sicher ist, dass die Rettung der MPS noch einige Zeit dauern wird. Die Kapitalerhöhung ist erst nach dem Abstoßen der faulen Kredite möglich. Ob letztlich die MPS mit rein privaten Investitionen saniert werden und auf staatliches Eingreifen verzichtet werden kann, bleibt ungewiss. Italiens Regierungschef Matteo Renzi kämen Proteste von etwa 60.000 Kleinanlegern im Herbst sehr ungelegen, ist doch für Oktober das Referendum zur Verfassungsreform angesetzt, von dem sich der Ministerpräsident die Zustimmung der Italiener zu einer umfassenden politischen Reform erhofft.

Renzi setzt auf viele Stimmen aus der Heimatregion der Bank. Die MPS muss also zumindest bis zur Abstimmung stabilisiert werden. Am Montag gab sich Renzi jedenfalls sehr zuversichtlich und erklärte das italienische Bankensystem für solide: "Der Rettungsplan befreit die Bank endgültig vom Problem der notleidenden Kredite".

Die an der Mailänder Börse notierten Aktien des Hauses reagierten auch positiv auf den Rettungsplan. Die Aktien des drittgrößten italienischen Geldhauses stiegen um fast vier Prozent und waren damit einziger Gewinner im europäischen Bankenindex, der um 2,4 Prozent fiel.

Die Bank-Austria-Mutter UniCredit verlor jedoch um acht Prozent.