Die Gespräche der drei Staats- und Regierungschefs fanden auf dem italienischen Flugzeugträger "Giuseppe Garibaldi" statt. Der Ort war ebenfalls mit Bedacht gewählt, man war bestrebt, angesichts der neuen Terrorbedrohung Stärke zu demonstrieren. Die "Garibaldi" ist das Flaggschiff der "Operation Sophia", der gemeinsamen EU-Militärmission zur Bekämpfung des Menschenschmuggels im Mittelmeer.

Neben dem gemeinsamen Schutz der Außengrenzen und einer Weiterentwicklung der europäischen Verteidigungs-, Wirtschafts- und Sozialpolitik ging es auch um die Folgen der Euro-Krise. Vor allem in Italien sind sie noch deutlich spürbar. Außerdem plagt das Land eine Bankenkrise. Renzi und Hollande wenden sich seit Langem gegen die europäische Sparpolitik - diese habe "in Europa nur Schaden angerichtet", so Renzi zuletzt.

Diese Woche wird für die deutsche Kanzlerin jedenfalls zum Marathon. Nach dem Dreiergipfel tourt sie durch halb Europa, von Estland über Tschechien nach Polen; danach stehen Gespräche in Berlin an. Immer geht es dabei um die Suche nach einer gemeinsamen Linie nach dem Brexit-Votum - und um Merkels eigene politische Zukunft. Sie muss ihren Ruf als europäische Krisenmanagerin beweisen.

Brexit - was nun?

Der Austritt Großbritanniens hat die EU in jedem Fall geschwächt und viele Fragen aufgeworfen. Entscheidend für den Beginn der Austrittsverhandlungen ist eine formelle Mitteilung Großbritanniens nach Artikel 50. EU-Politiker wie Parlamentspräsident Martin Schulz drängen London, das Dokument rasch einzureichen. Der mittlerweile zurückgetretene Premier David Cameron war der Ansicht, die Scheidung müsse die neue Regierungsspitze verantworten. Kurz darauf übernahm seine konservative Parteikollegin Theresa May das Amt. Doch der Austritt lässt auf sich warten. Es scheint, als wollte die britische Regierung diesen hinauszögern.

May stellte kurz nach ihrem Amtsantritt klar, dass sie die auf zwei Jahre angesetzten Verhandlungen nicht vor Jahresende starten wolle. Laut Medienberichten denkt London darüber nach, Artikel 50 erst im Herbst 2017 auszulösen. Dann käme die Trennung wohl frühestens Ende 2019. Will man die Scheidung durchziehen, drängt die Zeit: Im Frühjahr 2019 soll ein neues EU-Parlament gewählt werden. Sind die Verhandlungen nicht vorher abgeschlossen, müsste das Land noch einmal Abgeordnete bestimmen, weil Großbritannien bis zum Austritt alle Rechte und Pflichten hat.

"Mutter unserer Werte"

Knapp vor dem Treffen meinte Renzi, Europa müsse in Verteidigung, Bildung und den Kulturbereich investieren und dabei bürokratische Regeln über Bord werfen. Europa solle das Brexit-Referendum überwinden und zu seiner Rolle zurückfinden: "Europa ist die empathische Mutter unserer Werte und nicht die eiskalte Wächterin bürokratischer Regeln, die schwierig zu akzeptieren sind." Merkel machte sich für ein "besseres Europa" anstatt "mehr Europa" stark. Das Ziel müsse sein, den Status quo zu erhalten und eine weitere Desintegration Europas zu vermeiden, so ein Diplomat am Rande des Gipfels.

Renzi hat außerdem für 2018 Parlamentswahlen angekündigt. Bisher hatte er sein Schicksal mit dem Ergebnis des Verfassungs-Referendums über eine Neugestaltung des Senats verbunden. Falls gegen die Reform gestimmt werde, werde er zurücktreten, hieß es damals. "Ich habe auch einen Fehler gemacht, als ich gesagt habe, es ist ein Referendum über Renzi", sagte er jetzt.