Paris. Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hat die Regierung verlassen und geht künftig politisch eigene Wege. Der 38-Jährige reichte am Dienstag bei einem Treffen mit Präsident Francois Hollande seinen Rücktritt ein. Finanzminister Michel Sapin übernahm zusätzlich das Wirtschaftsressort.

Macron deutete eine Präsidentschaftskandidatur an, ohne sie offiziell zu verkünden. "Ich will heute eine neue Etappe in meinem Kampf einleiten und ein Projekt aufbauen, das einzig und allein dem Allgemeinwohl dient", sagte er im Wirtschaftsministerium in Paris.

"Ich bin entschlossen alles zu tun, damit unsere Werte, Ideen und Taten Frankreich ab dem kommenden Jahr verändern können", sagte Macron mit Blick auf das Wahljahr 2017. Die "notwendigen Debatten" über solche Veränderungen könnten nur während eines Präsidentschaftswahlkampfes ausgetragen werden.

Ex-Investmentbanker eckte beim linken Flügel an

Macron hatte sich zunehmend von Hollande und Regierungschef Manuel Valls abgesetzt. In den vergangenen Monaten war immer wieder über einen möglichen Rücktritt des liberaler orientierten politischen Jungstars spekuliert worden. Im April hatte Macron eine eigene politische Bewegung "En marche" ("Auf geht's") gegründet, die er "weder rechts, noch links" positionierte. Er hatte aber immer wieder seine Loyalität zu Hollande betont.

Der Staatschef hatte Macron 2014 zum Wirtschaftsminister gemacht. Mit seiner wirtschaftsfreundlichen Linie war der frühere Investmentbanker wiederholt beim linken Flügel der sozialistischen Regierungspartei angeeckt. Ein von ihm verantwortetes Liberalisierungsgesetz boxte die Regierung im vergangenen Jahr mangels eigener Mehrheit mit einer Sonderregel durchs Parlament, mit der sie eine Abstimmung umgehen kann.

Präsidentschaftswahlen im Frühjahr

Frankreich wählt im April und Mai 2017 seinen nächsten Präsidenten. Ob Hollande noch einmal antritt, will er Ende des Jahres entscheiden. Er ist wegen anhaltend schlechter Umfragewerte und einer hohen Arbeitslosigkeit angeschlagen. Seine Reformpolitik hatte ihm viel Kritik vom linken Flügel seiner Sozialistischen Partei eingebracht. Die Sozialisten haben eine Vorwahl angesetzt, für die sich auch schon die im Streit ausgeschiedenen Ex-Minister Arnaud Montebourg und Benoît Hamon beworben haben.