München/Wien. (sig) Vor dem "einsamen Wolf", der schwer zu fassen ist, weil er allein agiert und kaum oder gar nicht kommuniziert, warnen Experten schon lange. Schließlich wurden in den vergangenen zwei Jahren 12 von 15 Anschlägen in Deutschland von Einzeltätern verübt. Doch nun beschäftigt ein neuer Tätertypus die deutschen Behörden. Denn die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nutzt soziale Medien nicht nur für ihre makabre Propaganda. Sie ködert über diese auch gezielt potenzielle Attentäter. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat das bayerische Landeskriminalamt deshalb die Sonderkommission "Juli" ins Leben gerufen. Laut Ermittlern sucht der IS im Netz nach Leuten, die anfällig für seine Propaganda sein könnten. Danach würden sie "gecoacht", also zu möglichen Angriffszielen beraten und zum Morden motiviert. In die Ermittlungen sind auch die USA und Saudi-Arabien eingebunden - immerhin haben die Chat-Partner der Attentäter von Würzburg und Ansbach saudische Telefonnummern oder IT-Adressen genutzt.

"Jetzt erlangst du das Paradies"


Laut "Süddeutsche" waren die beiden Anschläge vom Juli auch der Grund für die Schaffung der Soko. Am 18. Juli hatte ein Flüchtling in einer Regionalbahn nahe Würzburg fünf Menschen mit einer Axt und einem Messer zum Teil schwer verletzt, bevor Polizisten ihn erschossen. Nur sechs Tage später zündete ein syrischer Flüchtling beim Musikfestival "Ansbach Open" eine Rucksackbombe. Er kam ums Leben, 15 Menschen wurden verletzt. In beiden Fällen standen die Attentäter bis kurz vor der Tat in Verbindung mit IS-Leuten. Beide hatten Anweisungen über ihre Handys erhalten - im Fall Würzburg chattete der Täter sogar noch wenige Minuten vor dem Angriff mit einer Person aus dem Nahen Osten. "Jetzt erlangst du das Paradies", lautete die letzte Nachricht, die Riaz A. erhielt, bevor er auf die Reisenden losging.

Wie die Kontaktaufnahme genau verlief, wissen die Ermittler noch nicht. Allerdings sprechen sie von einer "Fernsteuerung" über Messenger-Dienste: Künftige Attentäter schicken Fotos, Videos und Informationen über die Ziele und erhalten Instruktionen vom IS. "Töte sie alle auf einer großen Fläche, dass sie am Boden liegen", lautete etwa die Chat-Anweisung an den Ansbach-Attentäter.