Seit ein Großteil der "Deutschen", die laut Staatsbürgerschaft längst Rumänen waren, weggezogen ist, stehen viele Häuser leer, erzählt Andrea Fröhlich. Auch ihre beiden Schwestern mit ihren Familien leben im Ausland: eine in Deutschland und eine in Italien. "So kann ich immer ins Ausland fahren!".

Gleichzeitig sei das Geld aus dem Ausland für viele der Gebliebenen wichtig, meint Fröhlich. Vor allem ältere Menschen könnten mit ihrer niedrigen Pension die hohen Lebensmittelpreise nicht bezahlen.

Sommer in der alten Heimat

Allein in Deutschland leben heute rund 250.000 Siebenbürger Sachsen. Als sogenannte "Sommer-Sachsen" kämen sie zu Besuch, "sie möchten die alte Heimat wiedersehen, die Kirche und die Familiengräber besuchen", erzählt Fröhlich.

Rumänen sind in die ehemals sächsischen Dörfer gezogen, und an vielen Ortsrändern entstanden und entstehen große Roma-Siedlungen. Die Roma sind mit Sicherheit die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe Siebenbürgens. Genaue Statistiken und Zahlen gibt es nicht. Genaugenommen sind sie auch keine Roma, sondern vor allem Lovara und Kalderasch. Die Namen beziehen sich auf die traditionellen Berufe: Lovara waren die Pferdehändler, Kalderasch Kupferschmiede und Kesselflicker. Auch sie leben schon seit Jahrhunderten in Siebenbürgen. Immer wieder gab es Anstrengungen zur Zwangsassimilation und Zwangsansiedlung. Geblieben ist ihnen die Armut, in der sie bis heute gefangen sind.

Auch in Sibiu, auf Deutsch Hermannstadt, merkt man, dass sich die Bevölkerungszusammensetzung der Revolution im Dezember 1989 gewaltig verändert hat. Für viele deutschsprachige Bürger der Stadt ist der Sonntagsgottesdienst in der vom Hauptplatz nahegelegenen evangelischen Stadtpfarrkirche im Zentrum ein Fixpunkt. Von den etwa 200 Gläubigen, die zum Gottesdienst kommen, haben die meisten graue Haare. Mitte der 1970er Jahre lebten bis zu etwa 20.000 Siebenbürger Sachsen in Hermannstadt. Derzeit sind nur noch etwas mehr als 1000.

"Sie sind alle weg. Meine Freunde, meine eigenen Kinder", sagt Marianne Kiss. Sie steht im Eingang der evangelisch-lutherischen Stadtpfarrkirche und schlichtet nach dem Gottesdienst Gebets- und Liederbücher wieder zurück in ein Regal, während sie erzählt. "Mein Mann ist hier begraben, ich möchte nicht weg."

In der katholischen Stadtpfarrkirche findet eine Messe statt. Pfarrer Oscar Raicea liest sie auf Deutsch. "Die deutschsprachigen Katholiken in Siebenbürgen sind wie weiße Büffel, sehr selten!", sagt er schmunzelnd. Gerade hat Raicea noch Staatspräsident Klaus Johannis nach der Messe die Hand geschüttelt, bevor der mit seiner Frau im gepanzerten Wagen zur Schwiegermutter zum Mittagessen fuhr. Der Siebenbürger Sachse war bis zu seiner Wahl Bürgermeister von Hermannstadt; er ist evangelisch, begleitet aber seine Frau, die katholisch ist, in die Messe, freut sich der Priester.