Wieso ist die Debatte über eine EU-Armee gerade jetzt wieder entbrannt? 

Die Diskussion über eine Verteidigungsunion hat an Fahrt gewonnen, seit die Mehrheit der Briten für den EU-Austritt gestimmt hat. London hat derartige Pläne stets blockiert, nun sehen Deutschland und Frankreich eine neue Chance. Am Dienstag trafen sich die EU-Verteidigungsminister in Bratislava, um nach dem Brexit-Votum über eine engere Zusammenarbeit in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik zu beraten.

Doch London stemmt sich nach wie vor gegen die Vorschläge. "Wir lehnen weiter jedes Vorhaben einer europäischen Armee oder eines EU-Armeehauptquartiers ab", sagte Verteidigungsminister Michael Fallon am Dienstag vor dem Treffen mit seinen EU-Kollegen. Er warnte davor, die Nato durch eine vertiefte europäische Zusammenarbeit "zu untergraben" und will, dass die Militärallianz der "Eckpfeiler" der Verteidigung in Europa bleibt. Fallons deutsche und französische Kollegen, Ursula von der Leyen und Jean-Yves Le Drian, betonen indes, dass sich ihre Initiative nicht gegen die Nato richtet.

Wozu braucht es überhaupt eine europäische Armee?

In Zeiten des Terrors werden die Rufe nach einer vernetzten Verteidigungspolitik lauter. Von der Leyen will die unterschiedlichen Stärken der europäischen Länder besser zusammenfassen, "damit wir gemeinsam schnell handlungsfähig sind". Mit der Nato gibt es zwar bereits ein internationales Militärbündnis, doch eine europäische Verteidigungsunion brächte einige Vorteile: Weil die EU mehr ist als ein militärisches Bündnis, hat sie auch mehr Instrumente, die sie im Krisenfall einsetzen kann. So kann die EU etwa auch politische Entscheidungen treffen und Wirtschaftshilfe leisten. Die Verteidigungsunion ist zudem das einzige Großprojekt, auf das sich die Mitgliedstaaten Nord-, Mittel- und Osteuropas einigen könnten - ganz im Gegensatz zur Schulden- oder Flüchtlingspolitik.

Warum gibt es eine schlagkräftige, funktionierende EU-Armee bisher nicht?

Nicht nur die Briten standen dem Vorhaben einer gemeinsamen Verteidigung im Weg. Auch andere Staaten sind nicht bereit, Souveränitätsrechte abzugeben. Entscheidungen in der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik müssen einstimmig von allen Mitgliedstaaten getroffen werden. Rechtlich sind zwar auch Mehrheitsbeschlüsse möglich, wenn nur einige Mitgliedstaaten enger zusammenarbeiten wollen - dies wurde aber in der Praxis nie umgesetzt.