London. (reu/afp/sig) Nach nur 18 Tagen im Amt ist die Chefin der britischen rechtspopulistischen Partei UK Independence Party (Ukip) zurückgetreten. Sie gebe den Vorsitz aus "privaten und beruflichen Gründen" ab, verkündete die Europaabgeordnete Diane James via Twitter. Ihr fehlten die "nötige Autorität" und "volle Unterstützung" aller Parteikollegen, um ihre Ziele umzusetzen.

Nun will der nach dem Brexit-Votum zurückgetretene Ukip-Chef Nigel Farage wieder die Führung übernehmen - zumindest übergangsweise. "Ich habe mit der Wahlkommission gesprochen und bin technisch gesehen immer noch Chef der Partei", sagte Farage der BBC. Eine erneute Kandidatur um das Amt schloss der 52-Jährige jedoch aus: "Nicht einmal für zehn Millionen Dollar." Widerspruch kam vom Ukip-Chef in Wales, Neil Hamilton, der ebenfalls als vorläufiger Parteichef gehandelt wurde. Hamilton zweifelt daran, dass die Parteiführung automatisch wieder an Farage zurückfalle. Es sei Aufgabe des Vorstands, einen Interimschef zu berufen.

Nun steht Ukip vor einem erneuten Wahlkampf um den Vorsitz. Der dürfte sich schwierig gestalten, denn die Partei ist gespalten. Bei der parteiinternen Wahl im September wurde der eigentliche Favorit, Steven Woolfe, von der Wahl ausgeschlossen, weil seine Kandidatur 17 Minuten nach Bewerbungsschluss eingegangen war. Dahinter steckte aber wohl ein innerparteilicher Kampf zwischen Farage-Anhängern und -Gegnern. Zu Farages Widersachern gehört der einzige Ukip-Parlamentsabgeordnete im Unterhaus, Douglas Carswell. Auch er hat eine Favoritin, die angeblich bereits in den Startlöchern steht: Lisa Duffy sagte der BBC, James habe "keinerlei Führung erkennen lassen". Spekuliert wird auch, dass der Unternehmer und großzügige Ukip-Unterstützer Aaron Banks die Leitung der Partei übernimmt.

Hinzu kommt, dass der Partei nun, da sie mit dem EU-Austritt ihr politisches Ziel erreicht hat, die Inhalte fehlen. Der Schritt von der Ein-Thema-Partei zu einer ausgewogenen Bewegung ist Ukip nicht gelungen. Die Einschränkung der Migration, für die sich die Partei energisch einsetzte, war der Schlüsselfaktor im Brexit-Votum gewesen. Dieses Thema haben sich nun aber die Tories zu eigen gemacht. So verkündete Innenministerin Amber Rudd am Dienstag, den Zuzug ausländischer Arbeiter bereits vor dem EU-Austritt, erschweren zu wollen. So denkt London etwa darüber nach, den Test zu verschärfen, den Unternehmen vor der Rekrutierung im Ausland machen müssen. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon von der SNP reagierte prompt: "Wir scheinen mit einer Ukip-Regierung aufgewacht zu sein."

Weil die Regierung unter Theresa May immer weiter nach rechts rückt, sich also Ukips Positionen annähert, fragt sich, welche Forderungen die Populisten der drittstärksten Partei im Land noch stellen sollen. Dessen ist man sich auch innerhalb Ukips bewusst. Farage jedenfalls sah die Partei schon im September in der Krise. Sie sei "etwas gelähmt", hieß es da, man müsse sich nun neu orientieren. Nur wohin?

Die einen vertreten eine noch härtere Linie gegen den Multikulturalismus, andere wollen Ukip zur libertären Partei umbauen. James wollte Ukip zur zweitstärksten Kraft im Land machen - und Labour überholen. Wegen des Mehrheitswahlsystems hat Ukip nur einen Sitz im britischen Unterhaus. Dafür stellt die Partei im EU-Parlament mehr Abgeordnete als Labour und Tories.