Sofia. In Bulgarien hat am Sonntag eine Stichwahl um das Präsidentenamt begonnen. Zur Wahl stehen der Kandidat der sozialistischen Opposition, der russlandfreundliche Ex-General Rumen Radew, und die Bewerberin der bürgerlichen Regierungspartei GERB, Zezka Zatschewa. Ministerpräsident Bojko Borissow hat seinen Rücktritt angekündigt, sollte die GERB-Kandidatin scheitern.

Favorit für das höchste Staatsamt ist Radew. Er führte in allen Umfragen mit mehr als zehn Prozentpunkten. Für den parteilosen Politiker würden je nach Umfrage zwischen gut 40 und 55 Prozent stimmen. Parlamentspräsidentin Zatschewa kommt in den Umfragen hingegen nur auf gut 39 bis 45 Prozent. Es ist offen, ob Wähler der beim ersten Wahlgang gescheiterten 19 Kandidaten jetzt für Zatschewa stimmen.

Schlechtes Abschneiden Zatschewas als "Protestvotum"

Der frühere Befehlshaber der bulgarischen Luftstreitkräfte war überraschend als Sieger aus dem ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag hervorgekommen. Das schlechte Abschneiden Zatschewas beim ersten Wahlgang gilt als Protestvotum gegen die Regierung. Der prowestliche und russlandkritische Amtsinhaber Rossen Plewneliew hatte auf eine neue Bewerbung verzichtet.

Mit dem neuen Präsident wird Bulgarien die EU-Ratspräsidentschaft am 1. Jänner 2018 übernehmen. Ein Rücktritt des Koalitionskabinetts inmitten seiner vierjährigen Amtszeit dürfte das ärmste EU-Land in eine neue Regierungskrise stürzen - die dritte binnen drei Jahren.