Paris/Wien. Wer ihr nächstes Staatsoberhaupt wird, werden die Franzosen aller Voraussicht nach erst Anfang Mai 2017 wissen. Die wohl wichtigste Vorentscheidung wird aber bereits an den kommenden beiden Wochenenden, bei den offenen Vorwahlen der Konservativen am 20. und 27. November, getroffen. Entscheidet sich hier doch, wer gegen die stetig an Popularität gewinnende Rechtspopulistin Marine Le Pen antritt und dieser - so hoffen die Konservativen - zumindest im zweiten Wahlgang die Präsidentschaft streitig machen kann.

Teilnehmen dürfen bei den ersten offenen Vorwahlen in der Geschichte der französischen Konservativen, die sich seit einigen Monaten nicht mehr UMP, sondern LR - Les Républicaines - nennen, alle, die sich zu "den Werten der republikanischen Rechten und der Mitte" bekennen und zwei Euro pro Wahlgang zahlen. Geöffnet sind die 10.228 Wahllokale landesweit von 8 bis 19 Uhr, mit ersten Resultaten wird ab 20.30 Uhr gerechnet. Bringt der erste Wahlgang am 20. November keinem der Kandidaten die absolute Mehrheit, findet am 27. November eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten statt.

Der parteiinterne Urnengang folgt dem Modell der erstmals 2011 durchgeführten Vorwahlen der Sozialisten (PS), die damals der amtierende Präsident Francois Hollande gewann. Letzterer will erst im Dezember bekannt geben, ob er - trotz weiterhin katastrophaler Umfragewerte - noch einmal antritt. Die sozialistischen Vorwahlen finden am 22. und 29. Jänner 2017 statt. Hollandes früherer Vertrauter und Wirtschaftsminister, der parteilose und wirtschaftsliberale Emmanule Macron, gab seine Kandidatur bereits am Mittwoch bekannt, ihm werden jedoch keine großen Chancen eingeräumt, die zweite Runde der Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2017 zu erreichen.

Juppé präsentiert sich als einender Faktor

Deshalb geht es bei der Abstimmung der Konservativen vor allem darum, wer dem Schreckensgespenst der etablierten Parteien - der Rechtspopulistin Marine Le Pen - bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr am besten die Stirn bieten kann. Im ersten Wahlgang trauen dies alle aktuellen Umfragen lediglich dem Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, zu, der auch in allen Umfragen zu den parteiinternen Vorwahlen der Republikaner in Führung liegt.

Dieser wurde in den vergangenen Wochen nicht müde, sich als vereinender Faktor in einer von Terrorismus, Antisemitismus, Islam- und Fremdenfeindlichkeit sowie ökonomischer Ungleichheiten immer mehr gespaltenen Nation zu präsentieren. Er wolle alle Franzosen einen, "jene die von (dem amtierenden sozialistischen Präsidenten, Anm.) François Hollande enttäuscht sind, ebenso wie jene der FN (Front National von Marine Le Pen, Anm.)", sagte Juppé. Zugleich warnte er vor dem Risiko, das "Volksverhetzung und Extremismus für unsere Demokratie bedeuten".