Paris. Gibt es am Sonntagabend eine Überraschung, wenn feststeht, welche Kandidaten der französischen Republikaner in die Stichwahl der Vorwahlen am 27. November einziehen? Im innerparteilichen Machtkampf der sieben Bewerber sehen alle Umfragen seit Monaten den früheren Premier- und Außenminister Alain Juppé an der Spitze, deutlich vor Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, der erbittert um sein politisches Comeback ringt.

Doch wenige Tage vor dem ersten Wahldurchgang an diesem Sonntag holte dessen einstiger Premier François Fillon derart rasant auf, dass er als dritter Mann das erwartete Duell stören könnte. Er gilt als "Synthese" zwischen dem aggressiven, energiegeladenen Sarkozy und dem 71-jährigen Juppé, dem vorgeworfen wird, ein Technokrat zu sein.

Diese Tendenz bestätigte sich auch bei der Fernseh-Debatte der Rivalen am Donnerstagabend, bei der sowohl Juppé als auch Fillon ihr Image als souveräne und erfahrene Staatsmänner pflegten. Sarkozy reagierte hingegen gereizt, als die Rede auf die Justizermittlungen um eine angebliche Wahlkampffinanzierung 2007 durch den früheren libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi kam. Gerade hat ein franko-libanesischer Mittelsmann erklärt, er habe Sarkozy und seinem damaligen Kabinettschef fünf Millionen Euro in bar übergeben. Diese Behauptung im öffentlichen Rundfunk zu senden, sei eine "Schande", giftete Sarkozy, ohne auf die Vorwürfe einzugehen.

Der Ausgang der Kandidatenkür der bürgerlichen Rechten wird mit großer Aufmerksamkeit beobachtet, weil viele darin bereits eine Vorentscheidung der Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2017 sehen. Denn die Sozialisten erscheinen fast chancenlos, egal ob der überaus unbeliebte Präsident François Hollande nochmals antritt, der seine Absichten im Dezember erklären will, ob sich alternativ Premierminister Manuel Valls oder ein Überraschungskandidat bewirbt.

Le Pen sicher in der Stichwahl


Rechtspopulistin Marine Le Pen wiederum werden in der ersten Runde 25 bis 30 Prozent der Stimmen vorausgesagt, sodass sie die Stichwahl sicher erreichen dürfte, ebenso wie der konservative Kandidat. Und dieser hat dann beste Chancen auf den Sieg, da Le Pen zwar populär, aber kaum mehrheitsfähig ist - zumindest noch nicht im Jahr 2017. So jedenfalls lauten die Rechenspiele von Medien und Meinungsforschern.