Paris. In einer mit Spannung erwarteten Abstimmung haben Frankreichs Konservative ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr gesucht. Die Organisatoren sprachen am Sonntag von einer vergleichsweise starken Beteiligung an der ersten Runde der Vorwahl, an der alle Anhänger der bürgerlichen Rechten teilnehmen konnten.

Bis zum späten Nachmittag gaben bereits mehr als 2,5 Millionen Franzosen ihre Stimme ab. Als Favoriten galten die früheren Regierungschefs Alain Juppe und Francois Fillon sowie Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Wenn wie erwartet keiner der sieben Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält, entscheidet eine Stichwahl am kommenden Sonntag. Die beiden Finalisten dürften erst am späten Abend oder in der Nacht feststehen.

Die Entscheidung ist eine wichtige Weichenstellung für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr: Gesucht wird ein Kandidat, der gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen gewinnen kann. Umfragen lassen ein Duell zwischen der Front-National-Chefin und dem konservativen Bewerber erwarten. Ob der angeschlagene sozialistische Amtsinhaber Francois Hollande erneut antritt, ist unklar.

Erste Vorentscheidung

Es ist das erste Mal, dass die Konservativen ihren Bewerber für den Elyseepalast mit einer Vorwahl küren. In Umfragen hatte lange Zeit der frühere Premierminister Juppe (71) vorne gelegen, gefolgt von Ex-Staatschef Sarkozy (61). Doch in den letzten Tagen konnte Sarkozys früherer Regierungschef Francois Fillon (62) deutlich aufholen. Experten äußerten Zweifel an der Aussagekraft der Prognosen.

Die Kandidaten stehen für sehr unterschiedliche Linien. Während Sarkozy nach den Terroranschlägen als Hardliner in der Sicherheitspolitik auftritt und offensiv Themen des Front National besetzt, steht Juppe für eine gemäßigtere Linie und will damit auch die Mitte erreichen.

Lange Schlangen vor Wahllokalen

Französische Medien berichteten am Sonntag von langen Schlangen in Wahllokalen. "Wir bewegen uns in Richtung einer sehr hohen Schätzung, die unseren größten Wünschen entspricht", sagte Vorwahl-Organisationschef Thierry Solere dem Sender BFMTV. Er rechnete damit, dass insgesamt deutlich mehr als drei Millionen Menschen teilnehmen. Nach Zahlen aus 70 Prozent der mehr als 10.000 Wahlbüros stimmten bis 17.00 Uhr bereits mehr als 2,5 Millionen Menschen ab.

Teilnehmen konnte jeder Franzose, der im Wählerregister steht und sich per Unterschrift zur bürgerlichen Rechten bekennt. Solere hatte als Ziel ausgegeben, ebenso viele Wähler zu mobilisieren wie die Sozialisten bei ihrer Vorwahl 2011. Damals hatten im ersten Wahlgang rund 2,7 Millionen Menschen abgestimmt.