Paris/Wien. Noch vor einer Woche hätte dieses Vorwahl-Duell kaum jemand in Frankreich für möglich gehalten: Am Sonntag rittern die beiden Ex-Premiers François Fillon und Alain Juppé um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen und damit um ein relativ sicheres Ticket für das höchste Amt im Staat. Der Sieger hat gute Chancen, bei der Präsidentenwahl im Frühjahr 2017 gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen zu gewinnen.

Nicht nur in Fillons eigenem Lager war die Überraschung groß, als sich der im Wahlkampf stets im Schatten von Juppé und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy stehende 62-jährige Wirtschaftsliberale am vergangenen Sonntag mit 44,1 Prozent der Stimmen klar durchsetzte, Favorit Juppé mit 28,5 Prozent auf den zweiten Platz verwies und Sarkozy ganz aus dem Rennen warf. Juppé hatten sich zu sehr auf ein von allen Umfragen vorhergesagten Zweikampf konzentriert und so Fillon erlaubt, sich als "Synthese" und "dritter Mann" zwischen dem umstrittenen Ex-Präsidenten und dem manchmal etwas langweilig wirkenden 71-jährigen Bürgermeister von Bordeaux zu inszenieren.

Juppé bringt sich als Frankreichs "Mann der Mitte" in Stellung 

Diesen Fehler will Juppé nicht noch einmal machen, umso mehr als die einzige nach dem ersten Durchgang durchgeführte Umfrage den mittlerweile ohnehin klar als Favoriten gehandelten Fillon mit 65 zu 35 Prozent in Führung sieht. Daher startete der 71-Jährige seit Sonntag eine wahre Medienoffensive und gibt sich gegenüber seinem jüngeren Konkurrenten besonders angriffig.

Ziel ist es, Fillon als gefährlichen Reaktionären und Ultraliberalen, sich selbst jedoch als "Kandidat der Mitte" in Stellung zu bringen. "Dass sich Mitglieder der Rechtsextremen, frühere Mitglieder der Front National (FN), nacheinander für die Kandidatur von François Fillon aussprechen, droht die Rechte zu spalten", sagte der Bürgermeister von Bordeaux am Mittwoch im Radiosender RTL. Der mitschwingende Vorwurf: Fillon sei FN-Kandidatin Le Pen zu ähnlich, er selbst könne bei einer Stichwahl jedoch auch Anhänger der Zentrumspartei MoDem - deren Chef Juppé bereits jetzt offensiv unterstützt - sowie der Sozialisten auf seine Seite ziehen.

Fillon blieb im Vergleich beinahe schon verdächtig ruhig und wies Juppés Vorwürfe lediglich als "Karikatur" zurück. "Ich entschuldige mich nicht dafür, Werte zu haben: Ich glaube an die Familie, Arbeit, die Autorität des Staates", konterte er. Auch könnte gerade Fillons Profil als "Rechtskonservativer" ihm den Sieg bei den Vorwahlen der konservativen Les Republicaines (die Republikaner, LR) sichern. Ist hier doch das rechte Lager zentral, auch wenn jeder an der Abstimmung teilnehmen kann, der sich zu "den Werten der republikanischen Rechten und der Mitte" bekennt und zwei Euro zahlt.