Fillon deutlich weiter rechts

Tatsächlich ist Fillon bei so gut wie allen Themen des Wahlkampfs deutlich weiter rechts platziert als sein Herausforderer. So spricht er sich etwa für ein Adoptionsverbot für homosexuelle Paare und ein Verbot des Burkini-Badeanzugs aus. Für Verwirrung sorgte der 62-Jährige zuletzt mit seinen Aussagen zur Abtreibung, die kein "fundamentales Recht" sei. Allerdings erklärte er Ende Oktober zugleich, dass "niemals irgendwer - und ich schon gar nicht - das Recht auf Abtreibung infrage stellen wird. Ich bin in der Lage zwischen meinen persönlichen Überzeugungen und dem Allgemeininteresse zu unterscheiden, das darin besteht, diese Debatte nicht erneut anzustoßen".

Höhere Wochenarbeitszeit

Fiskalpolitisch wirbt der Wirtschaftsliberale ebenfalls für einen strikteren Austeritätskurs als der Bürgermeister von Bordeaux. Beide wollen das Pensionsantrittsalter von derzeit 62 auf 65 Jahre ebenso anheben wie die Wochenarbeitszeit, die statt aktuell 35 Stunden nach Juppés Wunsch künftig höchstens 39 Stunden, nach Fillons Wunsch jedoch bis zu 48 Stunden umfassen soll. Posten in der öffentlichen Verwaltung wollen beide Kandidaten einsparen, Juppé jedoch "nur" 200.000 bis 300.000 in den kommenden fünf Jahren, Fillon 500.000. Im Gegenzug will der frühere Premier Sarkozys die Unternehmen um 40 Milliarden entlasten und die Mehrwertsteuer um zwei Prozent anheben, sein Konkurrent wünscht sich eine Reduktion in Höhe von 21 Milliarden und eine Mehrwertsteueranhebung um ein Prozent.

Fraglich ist, welchen Einfluss die in den vergangenen Tagen aus Moskau eingetroffenen Sympathiebekundungen auf den Wahlausgang haben. Nach mehreren hochrangigen Politiker und dem Kremlsprecher, meldete sich am Mittwoch Präsident Wladimir Putin höchstpersönlich zu Wort. "Er ist ein harter Verhandlungspartner und auf jeden Fall in höchstem Maße ein Profi und anständiger Mann", warb er für Fillon. "François" und er hätten "sehr gute persönliche Beziehungen". Fillon hat sich mehrfach gegen die angesichts des Ukraine-Konflikts und der Annexion der Halbinsel Krim verhängten Russland-Sanktionen ausgesprochen und zuletzt auch für eine Kooperation mit Moskau im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" in Syrien geworben.

Präsidentenwahlen am 23. April 2017

Ihre Stimme können Unterstützter der Konservativen am Sonntag in 10.228 Wahllokalen landesweit von 8 bis 19 Uhr abgeben, mit ersten Resultaten wird ab 20.30 Uhr gerechnet. Der Gewinner tritt am 23. April bei den französischen Präsidentenwahlen an. Bisher haben lediglich die rechtspopulistische Front National Marine Le Pen sowie die Grünen Yannick Jadot fix aufgestellt. Der frühere Wirtschaftsminister und Polit-Jungstar Emmanuel Macron geht als unabhängiger Kandidat ins Rennen. Die Sozialisten halten ihre Vorwahlen Ende Jänner 2017 ab. Amtsinhaber Francois Holland will nach Angaben der Parteiführung am 10. Dezember bekannt geben, ob er noch einmal antritt. Umfragen geben ihm aktuell jedoch geringe Chancen auf eine Wiederwahl.