"Adrenalin-Junkie" und laut Eigendefinition "Autoraser": Gina Miller. - © afp/Stansall
"Adrenalin-Junkie" und laut Eigendefinition "Autoraser": Gina Miller. - © afp/Stansall

Der Brexit-Fahrplan der britischen Premierministerin Theresa May steht auf der Kippe. Seit Montag muss das höchste Gericht des Landes klären, ob May die Zustimmung des Parlaments für die Austrittsverhandlungen mit der EU braucht.

Aber wer steckt eigentlich hinter der gerichtlichen Auseinandersetzung? Eine politische Gruppe? Weit gefehlt. Es ist die aus Südamerika stammende Investmentfonds-Managerin Gina Miller - von Kritikern in Anspielung an die gefährliche Spinne als "Schwarze Witwe" verhöhnt.

Die Juristerei ist der dunkelhäutigen 51-Jährigen, die in Guyana geboren wurde und in Großbritannien aufwuchs, nicht fremd: Sie studierte Betriebswirtschaft und Jus in London. Sie hatte verschiedene Jobs - sie soll auch als Model gearbeitet haben -, bis sie 2009 mit ihrem Mann eine Vermögensverwaltungsgesellschaft gründete.

Miller ist nicht nur beruflich erfolgreich, sondern auch sozialpolitisch stark engagiert. So sammelte sie viele Spenden, zum Beispiel für ein Krankenhaus. Nicht nur Freunde machte sie sich mit einer Kampagne gegen versteckte Gebühren in vielen Investmentfonds, wie sie der "Financial Times" in einem Interview berichtete. Auf einer Party hätten ihr Gäste vorgehalten, dass sie damit das Finanzviertel ruiniere und ihr ihren Spitznamen in der Branche verraten: "Wir nennen dich Schwarze Witwe."

Nun also der Rechtsstreit um den Brexit. Anfangs unter anderem noch von einem Friseur unterstützt, reichte Miller beim High Court Klage ein, um klären zu lassen: Muss Premierministerin May die Zustimmung des Parlaments vor den Verhandlungen mit Brüssel einholen?

Der High Court sagte "Yes". Die Regierung war geschockt, denn dies könnte den Ausstieg aus der EU verzögern und Einfluss auf die Verhandlungsstrategie haben. Brexit-Befürworter fürchten bei einer Beteiligung des Parlaments einen "weichen", EU-freundlichen Brexit, der den Zugang zum Binnenmarkt über die Kontrolle der Grenzen stellt. Im Parlament sitzen mehrheitlich Brexit-Gegner. Die Regierung wollte das Urteil nicht akzeptieren und wandte sich deshalb an das höchste britische Gericht, den Supreme Court.

Den Brexit abzuwenden, das liegt Gina Miller fern, wie sie immer wieder betont. Ihr gehe es um die Art und Weise des Ausstiegs aus der Europäischen Union. Vier Tage sind für die Anhörung angesetzt. Auch Miller ließ es sich nicht nehmen, am Montag im Gericht zu sein. Das Urteil der elf Richter wird vermutlich erst im Jänner verkündet.

Für ihren Kampf in Sachen Brexit wird Miller nach eigenen Angaben immer wieder angefeindet. Sie werde bedroht und habe für Sicherheitsvorkehrungen bereits 60.000 britische Pfund (etwa 72.000 Euro) ausgegeben, berichtete die dreifache Mutter.

Das dürfte die schlagkräftige und willensstarke Frau wohl nicht von weiteren Einsätzen abhalten lassen: "Ich bin ein Adrenalin-Junkie, aber auch ein Autoraser. Wenn ich meine Karriere mit einem Grand Prix vergleiche, habe ich erst die Hälfte der Runden geschafft", sagte sie einmal der Tageszeitung "The Guardian".

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