Das traditionsreiche Bankhaus aus Siena kann auf eine Geschichte bis 1472 zurückblicken. Damals gründeten Franziskaner ein Pfandhaus in der toskanischen Stadt, aus der später die Bank Monte dei Paschi hervorging. - © apa/afp/Giuseppe Cacace
Das traditionsreiche Bankhaus aus Siena kann auf eine Geschichte bis 1472 zurückblicken. Damals gründeten Franziskaner ein Pfandhaus in der toskanischen Stadt, aus der später die Bank Monte dei Paschi hervorging. - © apa/afp/Giuseppe Cacace

Siena. Als wären die jüngsten Meldungen aus dem ältesten noch existierenden Bankhaus der Welt nicht ohnehin schon schlecht genug gewesen, ließ die schwer angeschlagene Monte dei Paschi am Mittwoch eine weitere Hiobsbotschaft folgen: Die Lage ist nämlich noch dramatischer als bisher bekannt. Das Geld reiche nur mehr für vier Monate, ließ das Bankhaus wissen. Bisher war von Szenarien ausgegangen worden, dass noch rund elf Monate Zeit für eine Rettung bleiben.

Die Meldung ließ die Aktie der Monte dei Paschi weiter abstürzen, sie musste immer wieder vom Handel ausgesetzt werden und schloss am Abend unter 17 Euro, verlor damit rund acht Prozent. Binnen einem Jahr fiel der Wert um nahezu 90 Prozent.

Dabei sollte ein Teil der bis Jahresende benötigten fünf Milliarden Euro unter anderem auch von Anleihenbesitzern kommen, die diese Anleihen in Aktien umtauschen konnten. Die Frist für das Programm endete am Mittwoch und brachte Insidern zufolge nur etwa eine halbe Milliarde Euro ein. Und auch der Versuch, private Großanleger zu einer Investition zu bewegen, dürfte nicht in dem Ausmaß funktionieren, wie sich die Bank das erhofft hatte.

Allein eine Milliarde Euro hätte aus dem (gut gefüllten) Staatsfonds Katars kommen sollen, doch das Emirat dürfte sich einen Einstieg in die Monte dei Paschi noch einmal überlegt haben.

Nun dürfte Plan B in Kraft treten. Und dieser lautet: Staat statt Privat. Die neue italienische Regierung hat sich vom Parlament Pläne absegnen lassen, wonach sie sich 20 Milliarden Euro zur Stützung in Schieflage geratener Institute leihen kann. Abgeordnetenhaus und Senat haben am Mittwoch einen entsprechenden Antrag genehmigt.

Mehrere Banken in Nöten


Die traditionsreiche Monte dei Paschi ist nicht das einzige italienische Institut in Schwierigkeiten, das Paket könnte daher auch die teils dünne Kapitaldecke anderer Banken aufpolstern. So gelten etwa die kleineren Geldhäuser Banca Popolare di Vicenza und die Veneto Banca als potenzielle Kandidaten für staatliche Hilfen.

Allerdings gibt es für den staatlichen Eingriff einige Hürden zu meistern. Denn nach den EU-Regularien müssen auch Privatanleger Verluste tragen, sollte der Staat einer Bank helfen. Im Fall der Monte dei Paschi wären allerdings zehntausende Kleinanleger betroffen. Falls sie zur Kasse gebeten würden, wäre dies für den neuen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni ein politisch heikles Manöver, zumal es nächstes Jahr zu Neuwahlen kommen kann.

Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan versuchte vor diesem Hintergrund, den Kleinanlegern Ängste zu nehmen. Die Regierung sei bemüht, sie im Einklang mit den EU-Regularien zu schützen. "Falls es zu einem Eingriff der Regierung kommen sollte, wird es keine oder nur minimale Auswirkungen für die Sparer geben", versicherte der Minister.

Eine Rettungsaktion des Staates hätte aber noch weitere mögliche Konsequenzen, denn sie wäre jedenfalls mit einer erhöhten Staatsverschuldung verbundenen. In diesem Fall wäre die von der kanadischen Ratingagentur DBRS vergebene Bonitätsnote "A" wohl in akuter Gefahr. Sollte Italiens Kreditwürdigkeit herabgestuft werden, würden sich die Kosten der italienischen Banken erhöhen, wenn sie sich bei der Europäischen Zentralbank gegen Sicherheiten mit Geld eindecken.

Italien hat gegenwärtig eine Staatsverschuldung von mehr als 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach EU-Regeln sind nur 60 Prozent erlaubt. Laut Prognose der EU-Kommission steigt das Haushaltsdefizit Italiens von 1,6 in diesem Jahr auf 2,4 Prozent im Jahr 2018. Dabei müsste Italien sein Defizit eigentlich senken. Die Aussichten jedoch, dass sich Monte dei Paschi ohne staatliche Hilfe aus der misslichen Lage befreit, gelten als eher gering.