Rom. Die offizielle Frist war am Donnerstag um 14 Uhr abgelaufen. So lange hatten institutionelle Investoren Zeit, Aktien der italienischen Traditionsbank Monte dei Paschi (MPS) aus Siena zu kaufen, um die notwendige Kapitalerhöhung um fünf Milliarden Euro doch noch zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.

Da die 1472 gegründete und damit älteste noch existierende Bank der Welt aber längst zum größten Problem der europäischen Finanzwirtschaft geworden ist, zeigten offenbar nicht genügend Anleger Interesse. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht, doch schien klar: Die von der Europäischen Bankenaufsicht im Sommer geforderte Kapitalerhöhung bei Monte Paschi gelingt nicht mithilfe privater Investoren. Der italienische Staat muss eingreifen, um die drittgrößte Bank des Landes zu retten.

Das Kabinett berät


Dieses Szenario galt schon in den vergangenen Tagen als wahrscheinlich. Auf Antrag der Regierung hatte das Parlament in Rom bereits am Mittwoch vorsorglich einen Rettungsfonds in Höhe von 20 Milliarden Euro genehmigt, der nun zum Tragen kommen könnte. Danach soll die bereits bei 133 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegende Staatsverschuldung erhöht werden, um im Notfall neben Monte Paschi auch anderen angeschlagenen Banken zur Seite zu springen. Insbesondere gelten mehrere Banken in der Region Venetien als gefährdet, darunter die Banca Popolare di Vicenza, die Veneto Banca sowie die Banca Carige. Auch sie könnten bald staatliche Hilfe benötigen.

Das Kabinett von Ministerpräsident Paolo Gentiloni wollte am Donnerstagabend oder Freitagmorgen zu einer Sitzung zusammen kommen. Dabei sollten die entsprechenden Dekrete zur staatlichen Rettung des Traditionshauses verabschiedet werden. Zuvor muss die Führung von Monte dei Paschi formal das Scheitern der Kapitalerhöhung feststellen und Staatshilfe beantragen. Über diesen Schritt war bis Donnerstagabend noch nichts bekannt.

Erwartet wurde, dass das italienische Wirtschafts- und Finanzministerium seinen Anteil an der Bank von bislang vier Prozent erhöht, für genügend Liquidität sorgt und für die Schulden der Bank garantiert. Die Prozedur einer sogenannten vorsorglichen Rekapitalisierung würde zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen, hieß es am Donnerstag.

Vor allem zwei Probleme stehen bei diesem Vorgehen im Vordergrund. Einerseits ist fraglich, in welcher Form die etwa 40.000 Kleinanleger der Bank an der Rettung beteiligt werden. Diese Sparer könnten ihre gesamten Ersparnisse verlieren, die politischen Folgen im Wahlkampfjahr 2017 in Italien wären unkalkulierbar. Nach den neuen EU-Regeln zur Bankenabwicklung müssen zunächst die Gläubiger an den Verlusten einer Bank beteiligt werden, bevor der Staat (mit Steuergeldern) eingreifen kann.