Top-Hacker

Gleichzeitig hat sich herausgestellt, dass Russland im "Cyber War" mittlerweile spielend mit der NSA in den USA oder dem britischen Geheimdienst mithalten kann. Zwar scheint das russische Hacker-System viel weniger organisiert zu sein als jenes der westlichen Dienste. Aber die Russen können mit Improvisation deutlich besser umgehen als die Amerikaner, die - den Deutschen nicht unähnlich - auch für blickdichte Geheimdienst-Operationen eine schriftliche Gebrauchsanleitung bevorzugen. Für Russland könnte es nicht besser laufen.

Wenn die USA 2017 die Sanktionen gegen Russland beenden würden, was nicht unwahrscheinlich ist, stehen die EU und Japan vor einem Dilemma. Russland hätte dann wieder freien Zugang zum Dollar-Markt und könnte seine finanzielle Klemme spielend beseitigen. Gleichzeitig würde Russland in seiner Rolle als Haupt-Energielieferant für Europa gestärkt werden. Und der Druck der europäischen Industrie auf ihre Politiker, die Sanktionen ebenfalls zu beenden, würde enorm groß werden, da das Geschäft nicht den US-Konzernen überlassen werden könne.

Was immer passiert, Russland wird 2017 als Gewinner des Jahres aussteigen. Die große Frage ist, wie die EU damit umgeht. Beim EU-Gipfel im Dezember wurden die Sanktionen verlängert, doch dabei gab es schon Kritik. Österreichs Position ist innerhalb der EU in der Frage heikel. Die Regierung trägt die Sanktionen aus Gründen der Solidarität zwar mit, aber wirtschaftlich würde Wien von einer Aufhebung zweifellos profitieren. Der Investitionsbestand von aus Österreich heraus operierender Unternehmen liegt bei 940 Milliarden Euro. Auf Russland entfallen 25 Prozent, der größte Wert.

Umgekehrt haben gleich zwei russische Großbanken ihre Europe-Zentrale in Wien: die VTP und die Sberbank Europe. Sie sind sogar von den EU-Sanktionen ausgenommen worden und gelten als österreichische Banken. Die auf internationale Handelsfinanzierung konzentrierte VTB könnte sogar in London ansässige Operationen nach Wien verlagern, eine Folge des Brexit. Sberbank ist die größte russische Bank, eine Sparkasse, die wohl unter Kreml-Einfluss steht. Auch die private Lukoil hat ihre International-Holding in Wien angesiedelt. Und dann ist da noch Gazprom, der staatliche Erdgas-Förderer Russlands. Die heimische OMV hat Ende 2016 ihre Zukunft recht alternativlos mit Gazprom verknüpft, was in Wiener Wirtschaftskreisen auch kritisch gesehen wird. Dazu kommen die russischen Gäste, die sowohl im Tourismus als auch als Kunden von Nobelgeschäfte im Land gern gesehen sind. Nicht nur für Russland, auch für Österreich wäre aus wirtschaftlichen Gründen eine Aufhebung der Sanktionen kein Nachteil.

Bleibt das Bedrohungspotenzial, das von Russlands Expansionsbestrebungen ausgeht. Putin hat ja die Eurasische Union gegründet, die aus Russland, Weißrussland und Kasachstan besteht. Die kommt nicht recht vom Fleck, und rechte Politiker im russischen Parlament, forcieren eine Art Verschmelzung mit der EU. "Von Wladiwostok bis Lissabon", lautet deren Vision. Eine Antwort auf diese Frage hat die EU noch nicht gefunden. Der gescheiterte FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer kann diesem von Moskau gesteuerten Mega-Wirtschaftsraum viel abgewinnen, und ist auch dafür. Auch andere Rechtspopulisten in Europa verwenden die Formulierung "von Wladiwostok bis Lissabon", was für die massive russische Einflüsterung dieser Parteien spricht.

Russland wird also 2017 zu den geopolitischen Gewinnern zählen. Wie hoch der Gewinn ausfällt, hängt vor allem von einer gemeinsamen Linie der EU ab. Denn die lukrativsten Geschäfte winken Russland zweifellos weiter in der EU. Und die wird ihre Position zum Thema freier Welthandel überdenken müssen, wenn die USA und Russland dies gemeinsam neu definieren. Und Europa sollte mit China darüber reden.