London. Dass die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher von der Idee einer Wiedervereinigung Deutschlands alles andere als begeistert war, ist bekannt. Wie stark ihr Widerwillen tatsächlich war, ist nun in bisher unter Verschluss gehaltenen Dokumenten nachzulesen.

Das britische Staatsarchiv veröffentlichte eine Reihe von internen Regierungsdokumenten aus den 80er Jahren und dem Jahr 1990. Daraus geht hervor, dass Thatcher von ihren Beratern nur mit Mühe überzeugt werden konnte, das wiedervereinigte Deutschland als Verbündeten zu betrachten. "Wesentlich ist es, die Worte Freund, Verbündeter und Partner zu verwenden, sofern Sie das ertragen können", schrieb ein persönlicher Berater in einem Briefing für die damalige Premierministerin vor einem Treffen mit dem deutschen Botschafter in London am 3. Oktober 1990.


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"Wir sollten nett zu den Deutschen sein"

Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass in Großbritannien große Unsicherheit darüber herrschte, ob ein wiedervereinigtes Deutschland zu seiner aggressiven Politik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückkehren würde. Eine Expertengruppe, die im März 1990 zusammenkam, konnte sich nicht einig werden. Im Protokoll des Treffens ist zu lesen: "Die Art wie die Deutschen derzeit ihre Ellenbogen einsetzen und ihr Gewicht in die Europäische Gemeinschaft einbringen, legt nahe, dass sich vieles nicht geändert hat." Trotzdem kommen sie zu dem Schluss: "Wir sollten nett zu den Deutschen sein."