Nikosia/Lefkosa/Genf. Am Montag beginnen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen (UN) im schweizerischen Genf neue Gespräche zur Überwindung des Konflikts und über eine mögliche Wiedervereinigung auf der drittgrößten Mittelmeerinsel Zypern.

Zypern ist seit einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention 1974 geteilt. Die Inselrepublik ist seit 2004 EU-Mitglied. Das EU-Recht gilt aber nur im griechisch-zypriotischen Süden. Der türkisch-zypriotische Norden wird nur von Ankara anerkannt.

Es wird mit einem Verhandlungsmarathon gerechnet: Zunächst sollen die Volksgruppenführer der griechischen und der türkischen Zyprioten, Nikos Anastasiades und Mustafa Akinci, drei Tage lang im Beisein des Sondergesandten der Vereinten Nationen, des Norwegers Espen Barth Eide, miteinander verhandeln. Sollte es Fortschritte bei diesen Gesprächen geben, ist für Donnerstag eine Fünf-Parteien-Konferenz unter Beteiligung der Garantiemächte Zyperns vorgesehen: Griechenland, Türkei und die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien.

"Für unser Zypern"

"Mit Hoffnung, Selbstvertrauen und vereinigt (fliegen wir) nach Genf. Für unser Zypern", twitterte Anastasiades am Sonntagabend. Der Tageszeitung "Die Welt" (Montag) sagte er: "Es ist das erste Mal, dass die Türkei sich ihrer eigenen Verantwortung stellen muss, und sie wird zeigen müssen, ob ihren öffentlichen Versprechen für eine Lösung des Zypern-Konflikts auch konkretes Handeln folgt." Ziel der Verhandlungen sei "eine tragfähige, funktionierende und umfassende Entscheidung, die die regionale Rolle Zyperns noch weiter stärkt und die zu Stabilität und Wohlstand in der Region beiträgt."

Der türkisch-zypriotische Führer Akinci erklärte, er fahre mit dem Ziel nach Genf, dass die politische Gleichheit der beiden Teile Zyperns Gestalt annehme.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte: "Gelänge ein Durchbruch, wäre das eine großartige Nachricht nicht nur für die Menschen auf Zypern, sondern für ganz Europa und die Region." Er hoffe, dass beide Seiten gerade jetzt ihren Mut nicht verlören und entschlossen Kompromisse auch für die letzten strittigen Fragen fänden. "Das wird nicht einfach."

Ein Hauptthema ist die Rückgabe von Teilen der von türkischen Truppen besetzten Gebiete an die griechischen Zyprioten. Zudem soll es um Sicherheitsfragen und das angestrebte föderale System für Zypern gehen: Der Staat soll aus zwei politisch gleichberechtigten Bundesstaaten bestehen - einem türkisch-zypriotischen im Norden und einem griechisch-zypriotischen im Süden. Beide Volksgruppen müssen einer Verhandlungslösung in getrennten Volksabstimmungen später zustimmen.

UN-Zypern-Beauftragter optimistisch vor Vereinigungsverhandlungen
Der UN-Beauftragte für Zypern sieht zum Auftakt der neuen Gespräche zur Überwindung der Teilung der Mittelmeerinsel so gute Chancen auf eine Einigung wie nie zuvor. Beide Seiten, die griechischen und die türkischen Zyprioten, hätten moderate Spitzenpolitiker, die vom Nutzen einer Wiedervereinigung überzeugt seien, sagte der Norweger Espen Barth Eide Montag kurz vor Beginn der Gespräche dem BBC.

Die Politiker, Nikos Anastasiades und Mustafa Akinci, nahmen ihre Gespräche unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen in Genf auf. "Sie haben Willen und Führungsstärke demonstriert, wie wir es seit langem nicht gesehen haben", sagte Eide. Eide zog Parallelen zum jüngsten Friedensabkommen mit den Rebellen der FARC-Guerilla in Kolumbien. Das zeige, dass auch jahrzehntelange Konflikte gelöst werden könnten. Eide räumte ein, dass Nationalisten auf beiden Seiten gegen die Wiedervereinigung argumentierten. "Aber ich glaube, diese beiden Spitzenpolitiker haben das Potenzial, die Mehrheit zu überzeugen, dass die Wiedervereinigung richtig ist - wenn wir hier Erfolg haben", sagte Eide. Am Ende müsse natürlich das Volk in einem Referendum entscheiden. Zypern ist seit einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention 1974 geteilt.