Genf/Brüssel. In ihre Prognosen mischte sich viel Vorsicht. Nach den Erfolgsaussichten für die neue Gesprächsrunde zur Lösung des Zypern-Konflikts befragt, wollten die Volksgruppenführer der griechischen und türkischen Zyprioten, Nikos Anastasiades und Mustafa Akinci, keineswegs überschäumenden Optimismus verbreiten. "Fragen Sie uns danach", rieten sie den Journalisten.

"Danach" wird Ende der Woche sein. So lange sollen nämlich die Verhandlungen dauern, die unter Vermittlung der Vereinten Nationen (UNO) gestern, Montag, in Genf begonnen haben. Bis Mittwoch setzen sich die Zyprioten zusammen, ab Donnerstag kommen dann noch Vertreter Griechenlands, der Türkei und Großbritanniens hinzu.

Die drei Staaten sind die Garantiemächte der einstigen britischen Kolonie, die nur wenige Jahre nach Erlangung ihrer Unabhängigkeit in den nächsten Konflikt geriet. Nach einem von Griechenland aus gesteuerten Putschversuch marschierten türkische Truppen in den Norden Zyperns ein, griechische Zyprioten flohen in den Süden, türkische in die umgekehrte Richtung. Hunderte Menschen verschwanden, und bis heute werden Gräber gesucht, um die Opfer zu exhumieren und zu identifizieren. Bis heute sind auch türkische Soldaten im Land stationiert. Seit mehr als 40 Jahren ist die Mittelmeerinsel geteilt; die in der Zwischenzeit ausgerufene Türkische Republik Nordzypern wird lediglich von der Türkei anerkannt.

All das zeigt auch die Hürden auf, welche vor einer Wiedervereinigung des Landes zu überwinden sind. Wie soll die Rückgabe der Grundstücke an die einst Vertriebenen geregelt werden? Was soll mit den Einwanderern aus der Türkei passieren, die auf der Insel in den vergangenen Jahrzehnten angesiedelt wurden? Wie und wann sollen die türkischen Soldaten abgezogen werden? Ist der Status der Garantiemächte überhaupt noch zeitgemäß? Das sind nur einige der Fragen, die es zu klären gilt.

Wie schwierig das ist, zeigte die vorangegangene Gesprächsrunde, in die auch schon große Erwartungen gesetzt wurden. Im November des Vorjahres trafen Anastasiades und Akinci ebenfalls in der Schweiz zusammen. Doch die Verhandlungen brachten keinen Durchbruch.

Dass sie nun erneut aufgenommen wurden, gibt aber Anlass zur Hoffnung. Selten zuvor gab es auf beiden Seiten Volksgruppenführer, die so intensiv an einer gemeinsamen Lösung arbeiten wollten. Darin sind sich nicht nur die meisten Experten einig. Auch der UN-Sonderbeauftragte für Zypern, Espen Barth Eide, lobt "den Willen und die Führungsstärke" der Politiker.

Streitpunkt Rückkehr

Allerdings müssen diese ein Ergebnis erzielen, das für ihre Landsleute akzeptabel ist. Denn ein künftiger Plan zur Wiedervereinigung wird sowohl den griechischen als auch den türkischen Zyprioten zur Abstimmung vorgelegt. Vor mehr als zehn Jahren ist ein solcher Plan an der Ablehnung im Süden gescheitert.

Die größten Streitpunkte sind noch immer nicht ausgeräumt. Es geht beispielsweise um die Rückkehr der Vertriebenen: Während die griechischen Zyprioten zuletzt darauf bestanden haben, dass 90.000 Menschen in den Norden zurückziehen dürfen sollen, wollen die türkischen Zyprioten diese Zahl verringern. Damit verbunden sind Probleme mit der Rückgabe von Land, das unter Umständen seit Jahrzehnten schon von anderen genutzt wird, sowie mit möglichen Entschädigungszahlungen, die sich auf etliche Milliarden Euro belaufen dürften.

Ein nicht minder umstrittenes Thema ist Sicherheit. Denn türkische Zyprioten wollen die Türkei weiterhin als Garantiemacht sehen, die eingreifen darf, wenn die Rechte der kleineren Volksgruppe auf der Insel verletzt werden. Das wiederum ist für die griechischen Zyprioten nicht hinnehmbar.

Amanda Paul von der Brüsseler Denkfabrik EPC (European Policy Centre) sieht darin "das historische Erbe des Konflikts". Denn auch wenn es seit Jahren keine Gewaltausbrüche auf der Insel gegeben habe, seien die psychologischen Narben tief. "Türkische Zyprioten misstrauen griechischen Zyprioten, während griechische Zyprioten Ankara misstrauen", schreibt Paul in einer aktuellen Analyse. Immerhin hätten Griechenland und Großbritannien angedeutet, dass sie ihren Status als Garantiemächte aufgeben könnten.

Doch die künftige Position der Türkei bleibt ungewiss. Bisher hat sich Ankara in die Friedensverhandlungen auf Zypern kaum eingemischt. Aber das könnte sich ändern, wenn sich das Verhältnis zwischen der Türkei und der EU weiter verschlechtert.