Aus Unsicherheit über die wirtschaftliche und politische Zukunft der Türkei haben die Anleger in Istanbul am Dienstag erneut die Lira aus ihren Depots geworfen. Der Euro verteuerte sich den vierten Tag in Folge und schoss zeitweise über die 4000er-Marke.

Die türkische Notenbank reagierte mit einer Lockerung der Anforderungen für die Mindest-Devisenreserven der Geschäftsbanken und führte dem Finanzsystem Liquidität in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar zu. Anstatt die Geldpolitik direkt zu straffen, habe die Bank es vorgezogen, die Bedingungen für den Devisenhandel zu verbessern, sagte Chefökonom Ozgur Altug von BGC Partners. Dies könnte zwar als Beruhigungsmaßnahme gesehen werden. Ob damit die Talfahrt der Lira gestoppt werde, sei aber fraglich.


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Steigende Inflation

Die türkische Wirtschaft leidet unter eine steigenden Inflation. Da nach dem Putschversuch im Juli und einer Reihe von Anschlägen wie an Sylvester in Istanbul das wichtige Touristik-Geschäft eingebrochen ist, rechnen Experten nicht mit deutlichen Zinserhöhungen der türkischen Zentralbank. Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist im Gegenteil für niedrigere Kreditzinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Durch den Mangel an zinspolitischen Reaktionen bleibe der Abwertungsdruck auf die Lira erhalten, sagte Anlagestratege Erkin Isik von der Bank Turk Ekonomi.

Die Pläne der türkischen Regierung für eine Verfassungsreform, die Präsident Recep Tayyip Erdogan deutlich mehr Macht einräumen würde, nahmen am Dienstag eine erste Hürde: Im Parlament stimmte eine Mehrheit von 338 Abgeordneten dafür, die Debatte über das Vorhaben fortzusetzen.