Die Brexit-Angst schickt das Pfund auf Talfahrt. - © ap/Wigglesworth
Die Brexit-Angst schickt das Pfund auf Talfahrt. - © ap/Wigglesworth

London. Knapp sieben Monate nach dem britischen EU-Referendum hat sich Theresa Mays Regierung jetzt offenbar für eine weitgehende Abkoppelung von der EU entschieden und den Briten eine radikal andersartige Zukunft für ihr Land in Aussicht gestellt. Berichten vom Wochenanfang zufolge will die Premierministerin nun nicht mehr nur die britische EU-Mitgliedschaft aufkündigen, sondern die Britischen Inseln ganz aus dem Binnenmarkt der Union und aus der europäischen Zollunion herausbrechen. In einer ersten Reaktion auf diese Erwartung sackte das britische Pfund am Montag zwischenzeitlich auf ein Dreieinhalb-Jahres-Tief ab.

Als völlig separate Wirtschaftseinheit soll "ein wahrhaft globales Britannien" nach Mays Worten künftig zu neuem Ansehen und größerem Wohlstand kommen. Der EU-Austritt eröffne den Briten enorme Chancen, erklärte auch Brexit-Minister David Davis. Die Regierung teile den "ungeheuren Optimismus" ihrer Bevölkerung und vertraue darauf, "dass unsere besten Tage nicht hinter uns liegen, sondern uns erst noch bevorstehen".

Schatzkanzler Philip Hammond, der bislang eher einem Verbleib im Binnenmarkt zuneigte, vertritt nun ebenfalls die Auffassung, dass es zentrale "Botschaft des Referendums" vom vorigen Juni war, dass alle Zuwanderung vom Kontinent in eigener, britischer Regie geregelt werden muss. Sollte freilich umgekehrt die EU den Briten nach dem Brexit keinen freien Zugang zu den europäischen Märkten mehr gewähren, könne Großbritannien durchaus auch sein Wirtschafts- und Sozialmodell von Grund auf ändern, um wettbewerbsfähig zu bleiben, drohte Hammond in einem Interview mit der "Welt am Sonntag": "Wenn man uns zwingt, etwas anderes zu sein, dann werden wir etwas anderes werden müssen."

Eine Senkung der Körperschaftssteuern hat London in den letzten Monaten eh schon ins Auge gefasst. Im Urteil des linksliberalen Londoner "Guardian" zielt die Tory-Regierung bereits darauf, den Inselstaat zu einem "Steuerparadies" vor den Küsten Europas zu machen - mit immer weniger sozialer Absicherung der eigenen Bevölkerung. Genau davor hatte vorige Woche der niederländische Vizepremier und Chef der Arbeiterpartei, Lodevijk Asscher, gewarnt. Die Niederlande würden jeglichen Deal mit den Briten boykottieren, der Britannien zu einer fürs internationale Großkapital attraktiven Offshore-Insel machen und dem Rest Europas das Wasser abgraben würde, so Asscher.