Trump applaudiert

Dagegen lobte der künftige US-Präsident Donald Trump die Briten für die "kluge" Entscheidung, aus der seiner Ansicht nach von Deutschland dominierten EU auszuscheren. Trump machte klar, dass er nichts gegen den weiteren Zerfall der EU habe, und dass er London einen schnellen Handelsvertrag mit den USA anbieten würde.

Premierministerin May will ihre Bereitschaft zu einem "harten" Brexit heute, Dienstag, in einer Grundsatzrede in London bestätigen, zu der sämtliche 27 Botschafter der anderen EU-Staaten eingeladen sind. Schon auf dem Tory-Parteitag im Oktober hatte sie verkündet, ein Ende des freien Zuzugs aus der EU sei für sie unabdingbar, und Großbritannien könne nach einem EU-Austritt auch nicht länger der Jurisdiktion des Europäischen Gerichtshofs unterstehen. Dennoch hofft man in London offenbar noch auf Sonderregelungen, die zum Beispiel der britischen Auto- und Pharma-Industrie tariffreien Absatz in der EU verschaffen. Auch für die City of London, das britische Finanzzentrum, soll eine "maßgeschneiderte" Lösung gefunden werden. Nach weitläufiger britischer Überzeugung ist die EU aus purem Eigeninteresse an einer solchen Lösung interessiert.

Vorstellen kann man sich in London auch eine Übergangsregelung, die über die im Lissabonner Vertrag vorgesehene, maximal zweijährige Verhandlungsphase hinausreicht und die der britischen Wirtschaft Zeit zur Umstellung geben soll. Eine solche Regelung wird von Brexit-Hardlinern rundweg abgelehnt. Sie wollen einen raschen Bruch mit Europa.

Keine Kritik mehr an ihrem Kurs und - am Brexit überhaupt - hören will jedenfalls die Regierungschefin. Wer vormals für weitere EU-Mitgliedschaft war, müsse sich jetzt "hinter die Regierung stellen", will sie - einer Sprecherin zufolge - ihren Landsleuten heute einschärfen.

Von vielen Briten wird freilich bestritten, dass May ein Mandat zum "harten" Brexit hat. Mehrere Gerichtsverfahren sind eingeleitet worden, die dies abklären sollen. Ein Verfahren, in dem das Oberste Gericht diesen Monat noch ein Urteil fällen soll, sucht dem Parlament Mitsprache beim Austritts-Entscheid zu verschaffen - wiewohl es unwahrscheinlich ist, dass die Parlamentarier gegen die Aufkündigung der Mitgliedschaft durch May stimmen würden.

Kurs ist umstritten

Verzweifelt gegen einen "harten" Brexit wehren sich unterdessen die Iren, die eine erneute befestigte Grenze quer durch Irland und Unruhe in Nordirland befürchten. In Schottland, wo im Juni 62 Prozent für die EU stimmten, droht die Regierung mit einem zweiten Unabhängigkeits-Referendum, wenn Schottland nicht wenigstens im EU-Binnenmarkt bleiben kann.

Aber auch in Mays eigener Partei beginnt die Aussicht auf einen tiefen Graben zur EU Alarm auszulösen. Die konservative Ex-Ministerin Nicky Morgan etwa erklärte, mit ihrer "dogmatischen" Haltung und einem "destruktiven" Brexit werde May ihrem Land "keinen guten Dienst" erweisen. Ihre Parteikollegin Anna Soubry, eine ehemalige Wirtschafts-Staatssekretärin, meinte fassungslos: "Dafür hat die Regierung gar kein Mandat."

Den Briten würde jetzt eine Art von Brexit aufgezwungen, "die überhaupt nicht zur Wahl stand" beim EU-Referendum, meint auch Tim Farron, der Vorsitzende der Liberaldemokraten. Und Labour-Chef Jeremy Corbyn wirft der Regierung vor, einen "gefährlichen" Kurs einzuschlagen. London zettle einen "Handelskrieg mit Europa" an, warnt der Oppositionsführer. Premierministerin hingegen kündigte an, am Dienstag eine Grundsatzrede zum EU-Austritt Großbritanniens zu halten.