Paris. Nach seinem Überraschungssieg gegen Ex-Ministerpräsident Manuel Valls in der ersten Runde geht der Parteilinke Benoit Hamon als Favorit in die Stichwahl um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten. Der frühere Bildungsminister Hamon gewann den ersten Durchgang der Vorwahl am Sonntag nach Teilergebnissen überraschend deutlich gegen Valls, der im Dezember von seinem Posten als Regierungschef zurückgetreten war, um sich als Kandidat für die Nachfolge von Präsident Francois Hollande zu profilieren. Hamon kam demnach auf mehr als 36 Prozent der abgegebenen Stimmen, Valls auf etwa 31 Prozent.

Zusätzlichen Rückenwind erhielt Hamon durch die Unterstützung des bei der Vorwahl Drittplatzierten. Der frühere Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg rief seine Anhänger noch in der Nacht auf, in der Stichwahl für Hamon zu stimmen. "Die Wähler haben massiv und ernsthaft jenen eine Absage erteilt, die während der Präsidentschaft eine Politik des freien Marktes und der Austerität durchgesetzt haben", kritisierte er den Kurs von Valls und Hollande. Hamon und Montebourg waren 2014 aus der Regierung entlassen worden, nachdem sie den Kurs der Sozialisten als zu wirtschaftsfreundlich kritisiert hatten.

Bei der Wahl des neuen Staatsoberhaupts werden nach bisherigen Umfragen keinem Kandidaten der bislang regierenden Sozialisten große Chancen auf einen Einzug in die Stichwahl am 7. Mai gegeben. Als Favoriten dafür sehen Meinungsforscher den Kandidaten der bürgerlichen Rechten, Francois Fillon, und die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen.