In Hénin-Beaumont fühlen sich die Menschen vergessen. Von der Regierung Hollande und von den "Pariser Politikern". Mitte Jänner kam der Präsidentschaftskandidat und frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron in die Stadt. "Das hat uns einige Lacher gekostet", schmunzelt eine ältere Dame. "Immer wieder kommen die Politiker hierher ins Gebiet des Front National, um Staub aufzuwirbeln. Aber nach ihrem Besuch hören wir nichts mehr von ihnen."

Anders Marine Le Pen. Die Parteivorsitzende hat Hénin-Beaumont quasi zu ihrer Hochburg erklärt und lässt sich regelmäßig dort blicken. Sie erkannte die wirtschaftliche Misere und die Verzweiflung der Arbeiterklasse in Nordfrankreich bereits vor Jahren. Seit 2002 betreibt sie in der Region aktiv Wahlkampf.

Überraschungsauftritt einer regelmäßigen Besucherin


Auch am letzten Jänner-Wochenende ist Le Pen in Hénin-Beaumont zugegen. In einem Festsaal hat Steeve Briois zur Zeremonie der Neujahrswünsche geladen. An der Seite des Bürgermeisters schüttelt die Parteichefin fleißig Hände und lässt sich mit Gästen fotografieren. "Ich wusste gar nicht, dass Marine kommen würde", freut sich Jean-Pierre Descamps. Der gelernte Schmied ist 61 Jahre alt. Seit seiner Pensionierung lebt er von 900 Euro im Monat. Stolz zieht Descamps eine Mitgliedschaftskarte des Front National aus der Jackentasche: "Man stellt uns als Rassisten dar, aber der Front National ist die einzige Partei, die sich für die kleinen Bürger starkmacht", sagt er.

Mehr als 600 Gäste lauschen der Rede von Steeve Briois. In
der ersten Reihe filmt eine junge Frau die Ansprache mit ihrem Handy. Ihre Mutter klatscht fleißig Beifall. Der Bürgermeister weiß, welche Worte er wählen muss: "Es lebe Hénin-Beaumont", ruft er, "das industrielle Frankreich, das von Paris nur allzu oft vergessen wird." Im Saal ertönen Jubelrufe.