Wien/Rüsselsheim. (da) Nur ein dürres Statement eines Sprechers aus Detroit findet sich derzeit auf der Webseite von General Motors (GM) in Österreich zum möglichen Verkauf der Tochter Opel an den Peugeot-Konzern. An der Wiener Peripherie betreibt GM ein Motoren- und Getriebewerk, 1390 Menschen arbeiten hier. Ob sich bereits heimische Politiker bei GM gemeldet hätten, um die Absicherung des Standortes zu besprechen, wollte eine GM-Sprecherin der "Wiener Zeitung" nicht beantworten: "Dazu kann ich keinen Kommentar abgeben." Eine entsprechende Anfrage im Wirtschaftsministerium ließ der Sprecher von ÖVP-Ressortchef Reinhold Mitterlehner unbeantwortet.

Eigentlich war geplant, dass die Fertigung kleinerer Benzinmotoren in Wien 2018 ausläuft und anschließend im ungarischen Werk Szentgotthard weitergeführt wird. Aspern wäre damit zum reinen Standort für Getriebeherstellung geworden. Sollte GM Opel tatsächlich veräußern, könnte dieser Zeitplan hinfällig werden, sagte die GM-Sprecherin.

In der deutschen Regierung löst der geplante Verkauf des Autobauers Sorge um die dortigen drei Standorte aus. "Das Bundeskabinett hat heute das Thema Opel intensiv diskutiert", sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles am Mittwoch in Berlin. Oberste Priorität habe die Sicherung der drei Standorte. Opel beschäftigt europaweit 38.170 Mitarbeiter, davon mehr als 19.000 in Deutschland. Am Hauptstandort im hessischen Rüsselsheim arbeiten gut 15.000 Personen, die Werke in Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) und Eisenach (Thüringen) sind mit 2140 beziehungsweise 1850 Mitarbeitern wesentlich kleiner.

Berlin nicht informiert

Für Verstimmung sorgt in Berlin, dass Frankreichs Premier Bernard Cazeneuve bei seinem Besuch bei Angela Merkel am Montag kein Wort über den möglichen Deal verloren hatte. Schließlich ist Frankreich mit 14 Prozent an PSA beteiligt. Klaus Franz, bis 2011 Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Opel, sieht die Werke in Eisenach und in Kaiserslautern in Gefahr. "Die französischen Gewerkschaften werden sich von ihren deutschen Kollegen nicht in die Suppe spucken lassen." Die Überkapazitäten lägen in Deutschland. Peugeot-Mutterkonzern PSA, zu dem auch Citroën gehört, "hat in den vergangenen Jahren 10.000 Arbeitsplätze abgebaut und ein großes Werk bei Paris dichtgemacht", sagte er zu Reuters.

Zum Europa-Geschäft von GM gehört auch die britische Opel-Schwestermarke Vauxhall. Die Regierung in London habe bei GM ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Die Marke Vauxhall hat 4500 Beschäftigte in zwei Werken in Liverpool und Luton.

Radikaler Strategiewechsel

Seit 1999 schreibt Opel Verluste, 2016 belief sich der Fehlbetrag auf 257 Millionen Euro. Mit der Veräußerung von Opel (seit 1929 Teil von GM) würde der US-Autobauer einen radikalen Strategiewechsel vollziehen - hin zu einem kleineren, aber rentableren Konzern. General Motors würde nämlich nichts weniger aufgeben als den Anspruch, in allen großen Märkten ganz vorn mitzumischen und mit Toyota und Volkswagen um den Titel des absatzstärksten Herstellers weltweit zu buhlen. An diesem Ziel hatte GM auch auf dem Tiefpunkt seiner Geschichte - der Insolvenz in der Weltwirtschaftskrise von 2009 - festgehalten. Ein Verkauf an den kanadischen Zulieferer Magna war damals so gut wie besiegelt, als der US-Konzern noch unter anderer Führung überraschend doch noch einen Rückzieher machte. Einer der Gründe: GM brauchte das technische Know-how der Deutschen bei der Entwicklung von Klein- und Mittelklassewagen für die Märkte in den USA und Asien.

Mittlerweile lässt GM-Chefin Mary Barra eine neue Serie günstiger Modelle für Asien und Lateinamerika in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partner Shanghai Automotive Industry entwickeln. Dieser verfügt anscheinend über so viel Wissen, dass Opel mittlerweile als Technologie-Lieferant nicht mehr nötig ist.

Aufspaltung Opels?

Auch Opel-Chef Karl-Thomas Neumann scheint schon länger an neuen Zukunftsplänen zu arbeiten, nämlich die Aufteilung in "Old Opel" und "New Opel". Neumann befürchtet, dass der Autobauer die steigenden Investitionen sowohl in Elektroautos als auch in Verbrennungsmotoren nicht stemmen könnte. Er habe deshalb an einem Plan gearbeitet, Opel komplett auf Elektroautos umzustellen, berichtet das "Manager-Magazin". In "Old Opel" würde das Geschäft mit Verbrennungsmotoren zusammengefasst, aus dem sich Neumann angeblich 2030 verabschieden will.