Paris. Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon hat eine Kehrtwende in seiner Gesundheitspolitik gemacht und für den Fall seiner Wahl eine kostenfreie Versorgung mit Brillen, Hörgeräten und Zahnersatz angekündigt. Ursprünglich hatte er sich für mehr private Krankenversicherung und weniger staatliche Vorsorge ausgesprochen, war damit aber selbst im eigenen Lager auf wenig Zustimmung gestoßen.

Der Zeitung "Le Parisien" vom Dienstag sagte Fillon, er habe niemals die Absicht gehabt, das Gesundheitssystem zu privatisieren. Um das klarzustellen, habe er sein Wahlprogramm in dieser Frage nun umgearbeitet.

Mit Kürzung von öffentlichen Ausgaben gepunktet

Fillon hat mit einem Programm für eine Kürzung der öffentlichen Ausgaben um 100 Milliarden Euro über fünf Jahre und den Abbau von 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst die Kandidatur der konservativen Republikaner für sich entschieden. Er galt als Favorit für die Präsidentenwahl im April und Mai, bevor Vorwürfe über missbräuchliche Verwendung staatlicher Gelder für seine Frau und seine Kinder laut wurden. Ende Jänner waren die Büroräume von Fillon von der Polizei durchsucht worden.

Jüngsten Umfragen zufolge könnte die Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, die erste Wahlrunde gewinnen. In der Stichwahl könnte sie allerdings gegen Fillon oder den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron verlieren. Eine klare Präferenz für einen der beiden Männer gibt es in den Umfragen nicht. In mehreren Abstimmungen der vergangenen Monate wie jene über den Brexit in Großbritannien und über den US-Präsidenten lagen die Umfrage-Institute aber weit neben den tatsächlichen Ergebnissen.

Durchsuchung der Parteizentrale von Le Pen

Die Parteizentrale des Front National in Paris wurde indes von der Polizei durchsucht. Grund sei der Verdacht auf Missbrauch von Geldern des Europäischen Parlaments, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus Parteikreisen. Der Front National warf den Behörden in einer Stellungnahme vor, die Aktion wirke wie der Versuch, den Präsidentschaftswahlkampf zu stören.

Der Europa-Abgeordneten und Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen wird vorgeworfen, eine Sekretärin im Parlament als Assistentin bezeichnet und dann wesentlich höhere Gehälter vom Parlament kassiert zu haben. In einem zweiten Fall soll ein Leibwächter als Parlamentsassistent deklariert worden sein. Le Pen hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Das Europäische Parlament hatte Ende Jänner entschieden, dass Le Pen fast 300.000 Euro zurückzahlen muss.