Paris/Wien. (da) Die Zeichen deuteten bereits auf Rückzug. Kurzfristig sagte François Fillon am Mittwoch seinen Besuch bei der Pariser Agrarmesse ab, die ein Politiker-Fixtermin ist. Stattdessen kündigte der Präsidentschaftskandidat der konservativen Republikaner eine Pressekonferenz an. Das Ende von Fillons Kampagne schien gekommen, ist er doch seit Wochen in Erklärungsnotstand. Denn Gattin Penelope war jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann und dessen Nachfolger in der Nationalversammlung angestellt, allerdings wohl nur zum Schein, wie die Zeitschrift "Canard Enchainé" aufgedeckt hat. 900.00 Euro sollen dafür aus öffentlichen Geldern in die Taschen der Fillons geflossen sein.

Der Kandidat überraschte nun aber Freund und Feind: "Ich werde nicht nachgeben", betonte der 62-Jährige. Stattdessen erhob der Ex-Premier schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden: Der Rechtsstaat sei "systematisch verletzt" worden. "Man ermordet nicht nur mich, sondern die Präsidentschaftswahl."

Gleichzeitig musste Fillon eingestehen, dass gegen ihn nun auch formell ein Ermittlungsverfahren läuft und er als Beschuldigter geführt wird. Für den 15. März habe er eine Vorladung erhalten. Dieser werde er Folge leisten. Fillon sagte, nur die Abstimmung könne über den künftigen Präsidenten entscheiden, nicht ein gezielt belastend geführtes Ermittlungsverfahren. Ursprünglich hatte Fillon nach Bekanntwerden der Vorwürfe noch erklärt, im Fall eines Verfahrens gegen ihn auf seine Kandidatur zu verzichten.

Hochrangiges Mitglied aus dem Wahlkampfteam sagt sich los

Dabei hatte sich Fillon im Vorwahlkampf der Republikaner als Saubermann inszeniert und sich damit von Ex-Präsident Nicholas Sarkozy abgegrenzt. Umso schwerer wiegen nun die Vorwürfe. Während Fillon dennoch keinen Grund zum Rückzug sieht, hat sich ein wichtiger Mitarbeiter von dem Präsidentschaftskandidaten abgewandt. Der frühere Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire - er diente unter dem damaligen Premier Fillon - verkündete nicht nur den Rückzug aus Fillons Wahlkampfteam, er warf ihm auch Wortbruch vor: "Ich glaube an den Respekt vor dem gegebenen Wort. Das ist unerlässlich für die Glaubwürdigkeit der Politik." Le Maire war in der Kampagne für Europapolitik und internationale Angelegenheiten zuständig.

Macron in Umfragen beständig vor Fillon

Fillon galt noch am Jahresanfang als klarer Favorit für den Einzug in den Élysée-Palast. Nun scheint er im ersten Wahlgang am 23. April den Sprung in die Stichwahl zu verpassen. Mit rund 20 Prozent liegt Fillon deutlich hinter dem Mitte-links-Kandidaten Emmanuel Macron (24 Prozent) und Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National (FN, 25 Prozent). In der Stichwahl am 7. Mai würden sowohl Fillon als auch Macron klar gegen Le Pen siegen. Für Macron ermittelte das Institut Opinionway einen Wert von 63 zu 37 Prozent. Fillon würde Le Pen mit 60 zu 40 Prozent schlagen, käme er in die Stichwahl. Hier zeigt sich wieder die jahrzehntelange Abgrenzung nach Rechtsaußen, dank der auch Jacques Chirac die Stichwahl 2002 gegen Marines Vater Jean-Marie Le Pen überlegen gewann. Aber auch bei den Regionalwahlen 2015 ging der FN in der Stichwahl leer aus.

Macrons Bewegung "En Marche" zählt mittlerweile rund 200.000 Mitglieder und lässt damit Sozialisten, Republikaner sowie Front National weit hinter sich. Auch über russische Webseiten gestreute Gerüchte, wonach Macron neben seiner Ehe ein Verhältnis mit einem Mann haben soll, schadeten dem Kandidaten nicht. Fillon gilt als Vertrauter von Präsident Wladimir Putin und spricht sich für eine Aufhebung der Russland-Sanktionen aus.

Trotz ihrer Führung in den Umfragen steht Marine Le Pen vor dem Dilemma, wie sie im zweiten Wahldurchgang eine Mehrheit erreichen soll. Aktuell kommt hinzu, dass der Rechtsausschuss des EU-Parlamentes auf Antrag der französischen Justiz die Aufhebung ihrer Immunität befürwortet. Le Pen verbreitete 2015 Fotos von Gewalttaten der Terrormiliz IS auf ihrem Twitter-Profil. Doch ist die Verbreitung von Gewaltbildern in Frankreich eine Straftat. Noch in dieser Woche stimmt wohl das EU-Parlament über die Aufhebung von Le Pens parlamentarischer Immunität ab. Zu den Vorwürfen sagt die sonst so wortgewaltige Politikerin derzeit nichts.