Dann lachten sie beide, nicht sicher, ob’s ein Scherz war oder nicht.

Aber auch abseits von großen Gefühlen und kleinen Ärgernissen über den Wechselkurs wirft der Brexit in der realen Welt ökonomischer Zusammenhänge bereits düstere Schatten voraus.

Blicke auf den Rest Europas

Um diesbezüglich wieder auf den Pop-Standort Großbritannien zurückzukommen: Vor zwei Wochen schaute ich im hippen Londoner East End im Büro der Konzertagentur Pitch & Smith vorbei, von wo aus die Tourneen so unterschiedlicher Acts wie Sinkane, Caribou, José Gonzalez oder Gang of Four gebucht werden. Stefan Juhlin, der schwedische Chef der Firma, hat sein Büro erst vor zwei Jahren aus Stockholm nach London verlegt, aber er plant offenbar bereits wieder den Absprung. "Das UK ist immer noch das Zentrum der Musikindustrie", sagt er, "aber es wird weniger und weniger wichtig. Viele Künstler, Manager und Labels blicken jetzt mehr auf den Rest Europas. Abgesehen vom schwachen Währungskurs wissen wir nicht, wie sich die Administration und die Versandkosten durch den Brexit ändern werden. Alle warten noch zu, aber sie bereiten sich schon vor und suchen bereits neue Partner."

Das Unvorstellbare ist anzudenken, auch London hat eben kein immerwährendes Anrecht auf einen Status als Pop-Metropole, und vielleicht steht der Brexit ja auch bloß am Ende einer langen Talfahrt in Richtung dieser finalen Einsicht. Im Büro von Pitch & Smith schlägt das Pendel der Arroganz indessen bereits in die andere Richtung aus. "Aus meiner Sicht ist die Sache mit Brexit recht amüsant", behauptet Stefan Juhlin mit einem süffisanten Lächeln, "Wenn wir gehen müssen, ist es für uns nicht das Ende der Welt. Irgendwie wünscht man sich ja fast, dass es so schlecht wie möglich ausgeht. Weil es einfach so eine dumme Entscheidung ist."