Köln/Wien. (klh) Bei der Anreise zur Hochzeit gibt es Polizeischutz: Rund 16 Paare wollen sich laut lokalen Medien an diesem Samstag im Kölner Rathaus das Ja-Wort geben. Und damit just an dem Wochenende, an dem die Alternative für Deutschland (AfD) ihren Parteitag in dem ebenfalls in der Kölner Innenstadt gelegenen Maritim Hotel abhält. Das Treffen der Rechtsaußenpartei ruft wiederum jede Menge Demonstranten auf den Plan. Seit Wochen rufen verschiedene Bündnisse zu Kundgebungen gegen die AfD auf, zehntausende Teilnehmer werden erwartet. Das bedeutet: Gesperrte Straßen, eine überfüllte Innenstadt, Furcht vor Randalen. Deshalb begleiten Polizisten die Hochzeitspaare bei ihrer Anreise zum Rathaus.

Für die Beamten könnte die Paarbegleitung noch zu den einfacheren Aufgaben an diesem Wochenende zählen. Denn die Furcht vor Ausschreitungen hat einen realen Hintergrund. Gruppen wie die lokale Antifa oder das Bündnis "Solidarität statt Hetze" wollen den AfD-Parteitag durch Blockaden verhindern.

Der Präsident der Kölner Polizei Jürgen Mathies ging in einer Pressekonferenz davon aus, "dass mehrere tausend Linksextreme nach Köln kommen werden" - unter denen sich "mehrere hundert gewaltbereite Personen befinden". Mathies machte klar, dass die Polizei Blockaden nicht akzeptieren würde. Die AfD habe als nicht verbotene Partei das Recht, sich zu versammeln.

Diese krawallbereiten Demonstranten unterscheiden sich von den Gruppierungen, die mit bunten Kundgebungen und Konzerten ein Zeichen für Toleranz setzen wollen. Kirchen, Karnevalsvereine oder auch parteinahe Organisationen wollen so ihrem Unmut mit der AfD Ausdruck verleihen. Dafür haben sich auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz oder Grünen-Chef Cem Özdemir angekündigt.

Turbulent dürfte es auch im Maritim Hotel beim Parteitag selbst zugehen. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat in dieser Woche mit einem Alleingang für einen Machtkampf in der jungen Partei gesorgt.

Petry hatte - offenbar ohne das mit der restlichen Parteispitze abzusprechen - in einem Video angekündigt, dass sie auf eine Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl im Herbst verzichte. Sie begründet dies mit innerparteilichen Streitigkeiten. Zudem will Petry bei dem Treffen von 600 Delegierten eine Grundsatzfrage beantwortet wissen: Nämlich ob sich die AfD als reine Oppositionspartei definieren oder langfristig als möglicher Koalitionspartner wahrgenommen werden will.

Petry will dafür einen Antrag einbringen, durch den beschlossen wird, dass sich die AfD gegen "rassistische, antisemitische, völkische und nationalistische Ideologien" abgrenzt. Das soll zur Parteilinie werden und die AfD im deutschen Politbetrieb salonfähig machen.

Dass Petry nun die AfD aus dem nationalen Eck holen und ihr einen bürgerlichen Anstrich geben will, scheint eher strategischen als ideologischen Überlegungen geschuldet zu sein. Petry selbst hatte oft wenig Probleme mit nationalistischem Gedankengut und sprach davon, dass sie das Wort "völkisch" wieder positiv besetzt wissen will. Und sie bediente sich beim Essener Parteitag 2015 selbst des stramm nationalen Flügels, um den bürgerlichen Parteigründer Bernd Lucke vom Hof zu jagen.

Gegner von Petry sehen
ihre Chance gekommen

Doch nun scheint es Petry selbst zu viel des Völkischen geworden zu sein. Aussagen wie die des Thüringer Landeschefs Björn Höcke, der das Holocaust-Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnete, machen die AfD für viele Konservative unwählbar und disqualifizieren sie als möglichen Bündnispartner. Petry hat daher bereits ein Parteiausschlussverfahren gegen Höcke angestrengt.

Mit ihren Vorstößen fordert Petry den sehr einflussreichen stellvertretenden Vorsitzenden Alexander Gauland heraus, dem nachgesagt wird, dass er die AfD als Fundamentalopposition sieht (was dieser in Abrede stellt).

Während Gauland auf einen Angriff auf Petry vorerst verzichtete, gingen nun andere Petry-Gegner in die Offensive. Laut einem Vorabbericht des "Spiegel" holen nun Teile der Partei zum Gegenschlag gegen Petry, die im Frühsommer ein Kind erwartet, aus, wollen diese endgültig entmachten. "Eine Parteivorsitzende, die sich weigert, im Spitzenteam bei so einer wichtigen Wahl mitzuarbeiten, gibt ihren Führungsanspruch in der Partei auf", sagte Vorstandsmitglied Paul Hampel.

Vor dem Parteitag herrschte damit Chaos: Am Freitag stand noch nicht einmal fest, ob nun ein Spitzenteam für die Bundestagswahl gekürt wird und über welche Anträge überhaupt abgestimmt wird.

Wenn es der AfD nicht gelingen sollte, diese internen Querelen beizulegen, dann schadet sie sich selbst enorm. Die Partei wird in der Öffentlichkeit zusehends als zerstrittener Haufen wahrgenommen.

Zudem wird immer augenscheinlicher, dass sich durch das schnelle Wachstum der Partei ihr viele Trittbrettfahrer mit zweifelhafter Kompetenz angeschlossen haben. "Da rechnen sich enthemmte Grundschullehrer, gescheiterte Hochschulassistenten und frühere ARD-Korrespondenten schöne Plätze auf irgendwelchen Landeslisten aus und werden, wenn die Prognosen in Erfüllung gehen, irgendwann als Vertreter des deutschen Volkes im Bundestag sitzen", klagte kürzlich AfD-Mitgründer Konrad Adam in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die AfD scheint sich langsam abzunutzen. Sie verliert derzeit in den Umfragen an Zustimmung, laut dem am Freitag veröffentlichten ARD-"Deutschlandtrend" liegt sie bei zehn Prozent. Damit wäre sie aber hinter der CDU/CSU (35 Prozent) und SPD (30 Prozent) noch immer drittstärkste Kraft.