Paris. Im ersten Wahlgang hat sich der sozialliberale Kandidat Emmanuel Macron gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen durchgesetzt. Er geht als Favorit in das Rennen um das Präsidentenamt in Frankreich. Die Franzosen haben damit am 7. Mai die Wahl zwischen der europafeindlichen Linie Le Pens und dem Deutschland- und EU-freundlichen Programm Macrons.

Der Mitte-Links-Kandidat Macron, der als wirtschaftsfreundlich gilt, bekam jedenfalls reichlich Vorschusslorbeeren von einer ganzen Reihe von Bankern und Ökonomen. Der deutsche Wirtschaftsforscher Michael Hüther meint, dass die "Achse Paris-Berlin wieder zu einem starken Motor werden" könnte. Das Schlimmste sei erst einmal verhindert worden, erklärte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

"Freilich: die zweite Runde in 14 Tagen muss erst noch gewonnen werden", hob Hüther hervor. "Und dann beginnt die Arbeit in einem wirtschaftsstrukturell schwach aufgestellten Land." Dabei werde Deutschland eine wichtige Rolle der Kooperation zukommen.

Auch Ifo-Chef Clemens Fuest hofft auf eine "Wende zum Besseren" für Frankreichs Wirtschaftspolitik. Macron wolle den Staatssektor in der französischen Wirtschaft verkleinern und bessere Bedingungen für Investitionen und Beschäftigung erreichen.

"Ob er diese Reformen umsetzen kann, wird davon abhängen, ob es ihm gelingt, auch die Parlamentswahlen zu gewinnen", erklärte der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung am Montag in München.

Vierzig Prozent wählten europafeindliche Kandidaten

Für Europa habe Macrons Sieg eine Katastrophe verhindert. Dennoch sei beunruhigend, dass über vierzig Prozent der Franzosen radikale und europafeindliche Kandidaten gewählt hätten. Europakritische Kandidaten hatten in Frankreich nach Ansicht von Front-National-Vize Florian Philippot noch nie so viel Zulauf wie bei den Präsidentenwahlen vom Sonntag. "Es gab noch nie so viele Stimmen für Kandidaten, die der Europäische Union sehr kritisch gegenüberstehen", sagte Philippot am Montagmorgen dem Sender Franceinfo.

Dazu zählt er nicht nur seine Parteichefin Marine Le Pen, sondern auch etwa den Linkspolitiker Jean-Luc Melenchon sowie die EU-Skeptiker Nicolas Dupont-Aignan und Francois Asselineau. "Ich glaube, das wird in der zweiten Runde eine Rolle spielen", so Philippot. Es gebe eine Mehrheit im Land, die der EU kritisch gegenüberstehe.

Zuversicht im Börsengeschäft

Europas Börsen haben am Montag zur Eröffnung mit starken Gewinnen auf den Ausgang der Frankreich-Wahl reagiert. In Paris stieg der französische Aktienindex CAC-40 bis 9.50 Uhr um 3,85 Prozent auf 5.254,01 Punkte.

Der Euro-Stoxx-50 notierte mit plus 3,48 Prozent oder 119,78 Punkten bei 3.560,05 Einheiten. Der DAX in Frankfurt gewann 2,59 Prozent oder 312,18 Zähler auf 12.360,75 Punkte. Damit nimmt der Index wieder Kurs auf sein Rekordhoch bei 12.390 Punkten. In London legte der FT-SE-100 um 1,68 Prozent oder 119,45 Einheiten auf 7.234,00 Punkte zu.

Devisenstratege Sebastien Galy von der Deutschen Bank bezeichnete den wenn auch knappen Stimmenvorsprung Macrons vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen als "perfektes Szenario" für die Märkte.

Der Euro sprang gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich auf das höchste Niveau seit November.