Wie wir das gemacht haben, sehen sie hier: (Chart)

Deutschland (WWU Münster): 64 Teilnehmer
Niederlande: 19 Teilnehmer
Belgien: 26 Teilnehmer
Schriftliche Befragung mit mehreren Pretests
Nächste Schritte: face-to-face Befragung in Wien; repräsentative europaweite Befragung

Wir haben versucht, den Begriff der "Republik" von anderen Begriffen ähnlicher Natur abzugrenzen und auszutesten, ob er im politischen Sprachegebrauch besser geeignet wäre, um das Ziel einer europäischen Föderalisierung, einer politischen Union zu transportieren.
Die Frage war: Was passt zur Republik?
Belgien: Demokratie > Volk/Präsident > Parlament > Bürger
Niederlande: Volk > Präsident > Parlament > Demokratie > Bürger
Deutschland: Demokratie > Volk > Bürger > Parlament

Dann haben wir emotionale Eigenschaftspaare gebildet, um sie erforschen, welche Eigenschaften gefühlsmäßig und spontan auf den Begriff der Republik appliziert werden:
Man sieht an den Werten, dass es gelungen ist, relevante Gefühlsfaktoren herauszufinden, die mit der Republik assoziiert werden. Und siehe da, wir konnten tatsächlich eine große Aufgeschlossenheit gegenüber dem Begriff der Republik als Träger für eine die europäische Idee feststellen. Tatsächlich generiert der Begriff der Republik eine gefühlsmäßige Bejahung, die darauf schließen lässt, dass die Idee einer "Europäischen Republik" im realpolitischen Raum eine politische Wirkungsmächtigkeit mit großem Resonanzraum erzielen könnte, wenn er in die europapolitische Diskussion einbezogen würde – was er ja durchaus zum Teil schon ist.

Aufgeführt sind hier Eigenschaften einer Europäischen Republik, wie sie sich im semantischen Differential als relevant und geeignet erwiesen haben, den politischen Körper einer Europäischen Republik zu beschreiben.
Eine schöne, ansprechende, gemütliche, vertraute … usw. Republik – der ideale Lebensraum also ;-) Die drei Säulen könnten mit etwas Phantasie sogar der EPA-Struktur entsprechen: 1. Säule – Evaluation, 2. Säule – Potency, 3. Säule – Activity.

Wie statistisch signifikant dieser Zuspruch ist, müsste jetzt in größer angelegten Umfragen herausgefunden werden, zu denen wir hoffentlich bald sowohl das Geld als auch die Gelegenheit am DED haben werden. Diese auf der Ebene von Test oder Pilotstudien befindlichen Untersuchungen deuten jedoch eindeutig darauf hin, dass im Begriff der Europäischen Republik etwas zu suchen und zu finden ist, das einen neuen Zugang der Bürger, vor allem den Jugendlichen, zum europäischen Projekt im 21. Jahrhundert ermöglichen würde.
Der Paradigmenwechsel, der mit diesem Begriff einhergeht, das semantische "reframing" würde die europäischen Bürger, und nicht die Nationalstaaten in die Verantwortung für das europäische Projekt stellen. In Zeiten, in der eine Zivilgesellschaft immer lauter ihre Partizipation an der Gestaltung von Demokratie einfordert, wäre das wahrscheinlich eine günstige Bewegung: Republik bedeutet im Grunde nichts anderes als dass die europäischen Bürger gleich sind vor dem Recht – aequum ius – und zwar transnationale. Dies europaweit durchzusetzen und dafür einzutreten, wäre dann die historische Bewegung, in der wir stehen. Es geht um die normative Unterfütterung einer europäischen Staatsbürgerschaft und direkten materiellen Rechten, die sich aus einer solchen ergeben. Der allgemeine politische Gleichheitsgrundsatz wäre in Europa für alle Bürger verwirklicht, angefangen mit Wahlrechtsgleichheit, also "eine Person/ einen Stimme", ein Prinzip, was heute in der EU nicht gewährt ist. Der allgemeine politische Gleichheitsgrundsatz würde die Tür aufstoßen zu einer europäischen Demokratie, die ihren Namen verdient, und die mehr ist als eine weitgehend technokratische EU-Governance, die kaum jemand versteht. Die Souveränität läge beim Bürger und in Europa könnte in einem neugestalteten Parlamentarismus mit Zweikammer-System das Prinzip der Gewaltenteilung gelten, so wie wir es aus nationalen Demokratie-Kontexten kennen. Derart demokratisch aufgestellt, wäre den Rechtspopulisten gleichsam der Boden für die Kritik an Europa entzogen. Und wir müssten keine Befürchtungen haben, dass der augenblickliche nationalistische Sog Europa ein anderes Mal in den historischen Abgrund zieht. Wir hätten die Arbeit der europäischen Föderalisten der ersten Stunde ihrem Denken und Auftrag gemäß beendet und aus einem Markt und einer Währung endlich auch eine Demokratie gemacht.
Solange nachweislich der engagierte Teil der heutigen Jugendlichen in diese Richtung denkt – Zukunft ist immer, was die Jugend will – und solange der Republik-Begriff in der Bevölkerung diesen Teststudien zufolge offensichtlich Zustimmung generiert, wäre es auch falsch, derartiges Denken in das Reich der Utopie zu verweisen. Im Gegenteil, um mit Luhmann, mit dem ich begonnen habe, auch zu enden, könnte man so ggf. sicherstellen, dass die politische Realität in Europa nicht an der Wissenschaft vorbei läuft – und dass wir hier an der DUK und am DED unseren Beitrag dazu leisten, die derzeitigen europäischen Umbrüche als Stimme der europäischen Aufklärung angemessen zu begleiten!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!