Die Stichwahl um das Präsidentenamt ist eine der wichtigsten seit Jahrzehnten. Die Franzosen müssen sich entscheiden zwischen einem pro-europäischen früheren Investmentbanker, der die staatliche Regulierung von Unternehmen beschneiden und zugleich Arbeitnehmerrechte schützen will, und einer EU-skeptischen Rechtsextremistin, die die Eurozone verlassen will und strikte Begrenzungen für Einwanderer fordert. Der Urnengang findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. In Frankreich herrscht nach einer Reihe von Anschlägen der Ausnahmezustand. Seit Anfang 2015 wurden mehr als 230 Menschen bei Attentaten getötet.

Attacke erinnert an Fall-Clinton

Vor Frankreich hatte es bereits in den USA Vorwürfe der Wahlbeeinflussung durch einen Cyber-Hack gegeben. Ziel war die Demokratische Partei der lange Zeit in Umfragen führenden Kandidatin Hillary Clinton. US-Geheimdienste erklärten im Jänner, die Attacke sei vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angeordnet worden, um die Wahl zugunsten des damaligen republikanischen Kandidaten und heutigen Präsidenten Donald Trump zu beeinflussen. Russland weist solche Vorwürfe zurück.

Vitali Kremez von der New Yorker IT-Sicherheitsfirma Flashpoint sagte Reuters, seine Untersuchung des Cyber-Angriffs auf Macron habe Hinweise darauf ergeben, dass die Hackergruppe APT 28 dahinter stecke. Sie gilt als verlängerter Arm des russischen Militärgeheimdienstes GRU und tritt auch unter Namen wie "Pawn Storm" oder "Fancy Bear" auf. Kremez sagte, im April habe APT 28 Internetadressen registriert, die dem Namen "En Marche" ähnelten. Diese seien vermutlich eingesetzt worden, um Ködermails an Mitglieder der Bewegung zu schicken und sich so Zugang zu den Computern von Macrons Organisation zu verschaffen. Macrons Team hatte Russland bereits in der Vergangenheit für versuchte Cyber-Attacken verantwortlich gemacht.

Auch Deutschland warnt vor "Desinformationskampagnen"

APT 28 steckt nach Ansicht des Bundesverfassungsschutzes auch hinter den Angriffen auf die Demokratische Partei in den USA und den Bundestag 2015, wo großen Datenmengen erbeutet wurden. Der Inlandsgeheimdienst warnt deshalb, dass Politiker mit den erbeuteten Informationen im Bundestagswahlkampf unter Druck gesetzt werden könnten. "Wir wissen nicht genau, was für Informationen abgeflossen sind, aber wir können uns natürlich vorstellen, dass unser Gegenüber die auch auswertet oder ausschlachtet auch für Desinformationskampagnen", sagte Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen am Donnerstag.