Düsseldorf/Wien. Martin Schulz ist begeisterter Fußballer. Eigentlich wollte er Profi werden, eine schwere Knieverletzung ließ den Traum jedoch platzen. Aus dem verhinderten Linksverteidiger wurde schließlich der Chef der deutschen Sozialdemokraten. Fußballvokabular benutzt Schulz noch heute gerne, um die politische Lage zu kommentieren. Nach der Niederlage der SPD bei der Landtagswahl im Saarland im März sagte er, die Partei liege 0:1 zurück. Mittlerweile hat die CDU einen Treffer nachgelegt; bei der Wahl in Schleswig-Holstein am vergangenen Sonntag verdrängten die Konservativen die SPD von Platz eins. Diesen Sonntag wählen auch die Bürger in Nordrhein-Westfalen. Für Schulz und Genossen geht es darum, dass die CDU nicht auf 3:0 erhöht.

Tief im Westen ist sozialdemokratisches Kernland: Seit Ende des Zweiten Weltkrieges stellt die SPD mit Unterbrechungen 48 Jahre lang den Regierungschef; so auch die seit 2010 amtierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Schulz selbst wurde in Nordrhein-Westfalen geboren, war von 1987 bis 1998 Bürgermeister von Würselen nahe Aachen und betont stets seine Heimatverbundenheit. Dazu kommt die bundespolitische Bedeutung. Nordrhein-Westfalen ist mit mehr als 17 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland, dortige Landtagswahlen werden als "kleine Bundestagswahl" tituliert. Heuer wird dem Ergebnis im Westen noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt, schließlich sind es die letzten Landtagswahlen vor der Bundestagswahl im September. Verliert Hannelore Kraft, wäre es für das Selbstverständnis der Partei und die Motivation der Funktionäre ein herber Rückschlag.

Hohe Arbeitslosenquote

Ganz zu schweigen, dass sich der Höhenflug von Jänner bis März, genannt "Schulz-Effekt", vollends umkehren könnte. Seit die CDU Ende März die Wahl im Saarland überraschend deutlich gewann, geht es nicht nur mit den Werten von Schulz und der Bundes-SPD bergab. Auch die Genossen in NRW fielen um mehrere Prozentpunkte zurück.

Für die SPD geht es in Nordrhein-Westfalen nur mehr darum, sich irgendwie über die Wahl zu retten. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage kann die Partei nur mit 33 Prozent rechnen. Der Abstand zur CDU würde von knapp 13 Prozentpunkten nach der Wahl 2012 auf 3 Prozentpunkte schmelzen. CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet steht im Gegensatz zu Kraft jedoch nicht unter Siegeszwang. Laut einer am Donnerstag publizierten Umfrage hat die CDU die SPD sogar überholt - erstmals in diesem Wahlkampf.