Halifax/Wien. Es war kein Zufall, dass Theresa May ausgerechnet in Halifax das Wahlprogramm der Tories vorstellte. Die Arbeiterstadt mit ihren 80.000 Einwohnern hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs lediglich zwei konservative Abgeordnete ins britische Parlament entsandt, wobei der letzte Wahlerfolg der Tories aus dem Jahre 1983 datiert. Die Stadt in West Yorkshire ist eine klassische Hochburg der Labour Party.

Doch May plant, die Bastionen der Labour Party zu erobern. Sie will dafür einerseits die derzeitige Schwäche der zerstrittenen Sozialdemokraten ausnützen. Andererseits möchte sie offenbar ihre Partei auf eine breitere Wähler-Basis stellen.

Somit war es auch nicht ohne Symbolik, dass May am Donnerstag ein blaues Büchlein mit dem Namen "Konservatives Manifest", das den neuen Leitfaden der Tories darstellt, nicht in prunkvollen Räumlichkeiten in London vorstellte, sondern in einer ehemaligen Mühle, die nun für Veranstaltungen genutzt wird.

Leistung als oberstes Gebot der Tories

Immer wieder sprach sie dabei davon, dass sie nicht "für die paar Privilegierten" Politik machen wolle, sondern für die "Menschen, die arbeiten". Jeder solle in Zukunft die gleichen Chanen haben und so weit kommen, "wie ihn Talent und harte Arbeit bringen" - und dabei sollen Geschlecht, sexuelle Orientierung und Hautfarbe keine Rolle spielen.

Die Tories als die Partei der Leistungswilligen - das war der rote Faden in Mays Auftritt, mit diesem Narrativ zieht sie in die Parlamentswahl am 8. Juni. In konkrete Politik umgemünzt bedeutet das laut den Mayschen Ankündigungen: Familien sollen künftig weniger Steuern zahlen, auch die Unternehmenssteuern sollen auf 17 Prozent gesenkt werden, zudem sollen 1,5 Millionen neue Wohnungen bis 2022 gebaut werden, um das Wohnen leistbarer zu machen.

Die Partei der sozialen Wärme sind die Konservativen freilich auch unter den Nachfolgern von Margaret Thatcher nie gewesen. Allein in den vergangenen fünf Jahren seien in den Lokalverwaltungen 4,6 Milliarden Pfund (5,3 Milliarden Euro) an sozialen Leistungen gekürzt worden, klagte die Labour-Politikerin Barbara Keeley gegenüber dem "Guardian".

Es waren jedenfalls große Versprechungen, die May machte, und sie scheute auch nicht die großen Worte. Großbritannien werde "fairer, stärker und wohlhabender" sein. Damit dies aber Wirklichkeit wird, sei eines entscheidend: Wie der Brexit verläuft.