Die britische Premierministerin Theresa May steht in ihrer Partei massiv unter Druck, nachdem sie ihr Wahlziel klar verpasst hat. Führende Medienberichten werden von wichtigen Tories bereits Pläne zum Sturz Mays geschmiedet. Die Premierministerin hat am Abend ihre Position verbessert, indem sie den Rahmenvertrag mit der rechten nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) abschloss. Dieser ermöglicht, ihr, an der Spitze einer Minderheitsregierung zu amtieren.

Laut einem Regierungssprecher haben die nordirischen Unionisten hätten den Prinzipien eines Rahmenvertrags zugestimmt. Dieser sehe eine Unterstützung der konservative Regierung bei Vertrauens- und Budgetabstimmungen ("confidence and supply") vor.

Mays Kabinettchefs Nick Timothy und Fiona Hill verabschiedeten sich am Samstag. "Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung für diesen Wahlkampf", erklärte der für das konservative Wahlprogramm zuständige Timothy auf der Internet-Nachrichtenseite ConservativeHome. Dort gab auch Hill ihre Entscheidung in einer knappen Stellungnahme bekannt. "Ich habe keine Zweifel, dass Theresa May weiter als Premierministerin dienen und hart arbeiten wird - und zwar brillant", fügte die Ko-Stabschefin hinzu.

Timothy und Hill waren der Regierungschefin schon in ihrer Zeit als Innenministerin von 2010 bis 2016 zur Seite gestanden. Medienberichten zufolge hatten sie großen Anteil an der verkorksten Wahlkampagne. So soll Timothy hinter dem Vorhaben gestanden sein, ältere Menschen für die Kosten ihrer Pflege aufkommen zu lassen, was May massive Kritik in der konservativen Presse bescherte und zu einem peinlichen politischen Schwenk nötigte.

Die Rücktritte ihrer Topberater dürften kaum den Druck von May nehmen, eher im Gegenteil. Nach einem Bericht des Telegraph eruieren Parteimitglieder wie Außenminister Boris Johnson, Innenministerin Amber Rudd und Brexit-Minister David Davis, ob sie als Regierungschefin ersetzt werden sollte. Der Sun zufolge wollen hochrangige Mitglieder zwar definitiv einen anderen Premier. Ein Sturz der Regierungschefin solle jedoch erst frühestens in sechs Monaten herbeigeführt werden, da sonst Labour-Chef Jeremy Corbyn an die Macht kommen könnte.

Führende konservative Politiker wollten sich öffentlich nicht auf die Zukunft Mays festlegen lassen. Es sei unmöglich zu sagen, ob sie Ende des Jahres noch Regierungschefin sein werde, sagte etwa der Abgeordnete David Jones der BBC. "Theresa May ist sicherlich die stärkste Anführerin, die wir im Moment haben."

Sein Kollege Owen Paterson erklärte, man "muss sehen, wie es läuft". Er wies darauf hin, dass die Gespräche über den geplanten EU-Austritt Großbritanniens in wenigen Tagen beginnen sollen.