Athen. (reuters) Griechenland erholt sich weiter. Bei den 10-Jahresrenditen wurde am Mittwoch ein neuer Tiefstwert mit 5,255 Prozent erreicht. Das ist der günstigste Wert für die Refinanzierung seit 2009.

Das Land, in dem die Euro-Krise seinen Ursprung nahm, könnte also schon bald an die Finanzmärkte zurückkehren und damit wieder auf eigenen Füßen stehen. Es wäre der erste Schritt hin zu einem erfolgreichen Ausstieg aus dem Euro-Rettungsschirm.

Das wird allerdings nicht von einem Tag auf den anderen gehen. Vertreter der EU pochen darauf, dass die Regierung in Athen ein paarmal erfolgreich Anleihen bei Investoren platziert.

So soll ein "umfangreicher" Kapital-Puffer aufgebaut werden. Laut den europäischen Gläubigern muss das schuldengeplagte Land eine Strategie entwickeln, wie es die Märkte am besten anzapfen kann - und zwar vor dem Auslaufen des bereits dritten Hilfspakets im Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro. Dies sagte jüngst auch der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling. Das Kreditprogramm endet im August 2018.

Allerdings bleiben bei den Geldgebern gewisse Zweifel, ob die Regierung in Athen ihre Reformanstrengungen durchhält. Dies könnte dann wieder weitere Finanzhilfen nötig machen und damit auch die politisch heikle und in Athen ungeliebte Überwachung der Reformen. Drei EU-Vertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras habe vor allem eine Hauptaufgabe: Sie müsse peinlich genau darauf achten, nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, dass sie von zugestimmten Reformen abweiche. Denn dies würde - so die Sorge der Gläubiger - für Instabilität sorgen. Mit den Reformen soll das Land wettbewerbsfähiger werden - und das Staatsbudget ausgeglichener.

Bald selbständige Schuldenaufnahme


Die Rückkehr aufs Finanzparkett zeichnet sich unterdessen schon ab. Investoren rechnen damit, dass Griechenland mindestens drei Milliarden Euro über Fünf-Jahres-Anleihen einsammelt, wenn die Refinanzierungskosten unter fünf Prozent fallen. Dies könnte bald der Fall sein.

Es wäre die erste Schuldenaufnahme seit 2014, als Griechenland sich zwei Mal über den Kapitalmarkt Geld besorgte, bevor es wieder Finanzierungsprobleme gab. Damals sammelte Athen im ersten Test drei Milliarden Euro über einen mit 4,95 Prozent verzinsten Fünf-Jahres-Bond ein. Das Comeback wäre erfolgreich, wenn sich vor allem ausländische Investoren beteiligten und weniger die griechischen Banken, so einer der EU-Insider.

Auch wenn es dann klappen sollte, dürfe die Athener Regierung noch lange nicht die Hände in den Schoß legen. Denn ein Teil des Geldes soll helfen, Puffer aufzubauen. Die EU-Kommission hat bereits betont, dass Griechenland rund neun Milliarden Euro zur Seite legen müsse, um Finanzierungsbedürfnisse in den ersten zehn Monaten nach Ende des Rettungsschirms abzudecken. Um dem zu genügen und Vertrauen der Gläubiger sowie Investoren zurückzugewinnen, sollte Griechenland mehr als einmal vor August 2018 die Kapitalmärkte anzapfen, sagten die EU-Vertreter nun. Die Bonds sollten dabei verschiedene und auch längere Laufzeiten haben.

Sollte Griechenland trotz erfolgreicher Anleihe-Emissionen Reformen zurückschrauben, könnten Investoren das Land drängen, sogenannte vorbeugende Kreditlinien beim ESM zu beantragen. Irland und Portugal hatten bei ihrem Abschied vom Rettungsschirm darauf verzichtet. Für die Athener Regierung wäre es ein äußerst unangenehmer Schritt - denn dann würden die europäischen Gläubiger weiter die Umsetzung von Reformen überwachen.