Helsinki. In der südwestfinnischen Stadt Turku sind bei einer Messerattacke zwei Menschen getötet sechs verletzt worden. Die finnische Polizei teilte am Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter weiter mit, sie habe auf eine Person geschossen und diese festgenommen. Man kenne das Motiv des Angreifers noch nicht und bemühe sich, seine Identität zu klären, sagte Finnlands Polizeichef Seppo Kolehmainen am Abend auf einer Pressekonferenz. Er schloss jedenfalls einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Premier Juha Sipilä rief nach der Messerattacke noch am Freitag eine Regierungssitzung ein.

Der Fernsehsender YLE hatte zuvor unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, mehrere Schüsse seien zu hören gewesen. Auf Bildern aus der Innenstadt waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge zu sehen. Augenzeugen erzählten, sie hätten Menschen auf dem Boden liegen gesehen. Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, die Gegend um den Tatort nicht zu betreten - möglicherweise gebe es dort noch weitere Täter.

Schon seit Juli erhöhte Terror-Warnstufe


In der Hauptstadt Helsinki wurden die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen und an Bahnhöfen verschärft. Turku liegt etwa 170 Kilometer westlich von Helsinki an Finnlands Südwestküste. Etwa 190.000 Menschen leben in der Stadt. Im Oktober 2012 hatte sich dort ein offenbar geistig gestörter Mann dem damaligen Ministerpräsidenten Jyrki Katainen mit einem Messer genähert, war aber überwältigt worden.

Erst im heurigen Juni hatte Finnland die Terror-Warnstufe wegen Informationen über konkrete Anschlagspläne erhöht. Die größte Gefahr gehe weiterhin von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen aus, die islamistisch motiviert seien oder von terroristischen Organisationen angestiftet würden, teilten die finnischen Geheimdienste (Supo) damals mit. Besonders gefährlich seien Islamisten, die an der Seite des IS gekämpft hätten und dort bedeutende Positionen innehätten. "Die Verbindungen zur Terrororganisation sind direkter und ernsthafter als zuvor", warnte der Leiter der Supo, Antti Pelttari. "Bis jetzt mussten wir einen konkreten Anschlag aber noch nicht verhindern."

Ende Juli versetzte dann ein Ereignis die Behörden in Alarmbereitschaft: In Helsinki fuhr ein Auto in eine Menschenmenge - dabei gab es ein Todesopfer und vier Verletzte. Die Polizei ging davon aus, dass der Fahrer unter dem Einfluss von Rauschmitteln stand. Anzeichen für einen Terrorakt gebe es jedoch nicht, hieß es damals. Der Mann wurde in der Nähe des Unfallorts, im Zentrum der Stadt, festgenommen.

Ansonsten ist das Nicht-Nato-Mitglied Finnland bisher von Terroranschlägen verschont geblieben. Im Nachbarland Schweden hingegen gab es in der Hauptstadt Stockholm im April eine Attacke, bei der fünf Menschen getötet wurden.