Bei der Rückführung von Menschen, denen in Europa nicht Asyl gewährt wird, will die EU ihre Anstrengungen deutlich aufstocken. Hier kündigte Juncker Vorschläge bis Ende des Monats an. Derzeit würden nur 36 Prozent der Menschen in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt, obwohl ihnen in der EU kein Asyl gewährt wurde. Hier müsse sich etwas ändern: "Nur so können wir den Beweis der Solidarität denen gegenüber erbringen, die wirklich schutzbedürftig sind."

Weiterarbeiten will Juncker an der Öffnung legaler Migrationswege: "Unregelmäßige Migration wird nur dann aufhören, wenn es eine Alternative zu einer illegalen Reise gibt." Er betonte, dass die Europäer älter werden und es ein solches legales Migrationssystem brauche.

"Ich bin mit der EU durch dick und dünn gegangen"

Gegen Ende der Rede schlug der Kommissionspräsident persönliche Töne an: "Mein ganzes Leben lang habe ich das europäische Projekt gelebt, ich bin mit der EU durch dick und dünn gegangen, aber habe nie die Liebe zu ihr verloren." Er betonte aber auch: "Es gibt keine Liebe ohne Enttäuschung".

Großen Applaus erhielt er für die Aussage, Europa sei "mehr als ein Binnenmarkt, es geht um Werte: Freiheit, Gleichberechtigung, Rechtsstaatlichkeit" und für seine Ankündigung, dass 2018 "ein Fest der kulturellen Vielfalt" werden soll. Im kommenden Jahr will er den Fokus auf die baltische Staaten und Rumänien legen, "Länder, ohne die Europa nicht vollständig wäre".

"Vermeidbare Todesfälle darf es in der EU nicht geben"

Unterdessen sei es nicht hinnehmbar, dass Kinder in Europa im Jahr 2017 an Krankheiten sterben, die längst ausgerottet werden sein müssten. Juncker verlangt, dass Kindern in Italien und Rumänien derselbe Zugang zu Impfstoffen wie in anderen EU-Ländern haben müssen: "Vermeidbare Todesfälle darf es in der EU nicht geben."

Juncker sprach sich auch gegen Ungleichbehandlung in der Arbeitswelt aus: "Es kann keine Arbeitnehmer der zweiten Klasse geben", den Menschen stehe gleiches Gehalt für gleiche Arbeit zu. Hier soll eine Arbeitsmarktbehörde geschaffen werden, die Fairness schafft.

"Slowaken haben nicht weniger Fisch in Fischstäbchen verdient"

Auch im Bereich der Konsumenten dürfe es "keine Verbraucher zweiter Klasse geben", und Lebensmittel müssten EU-weit auf gleichem Niveau sein: "Slowaken haben nicht weniger Fisch in Fischstäbchen verdient, und das EU-Recht verbietet solche Praktiken. Nationalen Behörden müssen gegen diese illegalen Praktiken vorgehen können."

Im Sozialbereich will Juncker Sozialdumping verhindern, indem sich die EU auf Sozialstandards verständigt: "Es muss einen Konsens darüber geben, was im Binnenmarkt sozial fair und was sozial unfair ist."