Barcelona. Im Konflikt mit Madrid um das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien ist keine Entspannung in Sicht: Tausende Demonstranten gingen am Donnerstag in Barcelona erneut auf die Straße, um das Recht der Katalanen auf die Abstimmung einzufordern und die Festnahmen hochrangiger Regierungsvertreter durch spanische Polizisten anzuprangern.

Vor dem Amtssitz des katalanischen Vize-Regierungschefs in Barcelona hatten in der Nacht auf Donnerstag tausende Demonstranten ausgeharrt. Einige hielten den Zugang zu dem Gebäude sowie zum Wirtschaftsministerium besetzt. Nach Polizeiangaben saßen in den beiden Regierungsgebäuden mehrere spanische Polizisten stundenlang fest, die dort Büros durchsucht hatten.

Abstimmung wohl nicht möglich

Die Proteste hatten Mittwoch begonnen, nachdem die paramilitärisch ausgerichtete Polizeieinheit Guardia Civil, die der spanischen Zentralregierung unterstellt ist, in die wichtigsten Büros der Regionalregierung in Barcelona eingedrungen war, um diese zu durchsuchen. 14 Mitarbeiter der Regionalregierung wurden, teilweise vorübergehend, festgenommen. Vize-Regierungschef Oriol Junqueras sagte, es sei "offensichtlich", dass die Abstimmung am 1. Oktober nicht wie vorgesehen abgehalten werden könne. Er sei aber überzeugt, dass die Mehrheit der Katalanen abstimmen wolle und versicherte, das Votum trotz aller Widerstände möglich machen zu wollen.

Spaniens Regierung betrachtet die Volksabstimmung als illegal, das Verfassungsgericht in Madrid erklärte das in Barcelona beschlossene Referendumsgesetz für ungültig. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen mehr als 700 katalanische Bürgermeister ein, die das Unabhängigkeitsreferendum unterstützen.

Die EU-Kommission wollte sich am Donnerstag nicht zu Rufen nach einer Vermittlerrolle in dem Konflikt äußern. "Wir respektieren die verfassungsmäßige Ordnung Spaniens", hieß es aus Brüssel. Auch die österreichische Bundesregierung gab sich zurückhaltend und wollte sich vorerst nicht in den Konflikt einmischen.