Demnach wollte Seehofer den CSU-Vorstand nach einer offenen Debatte über den künftigen Umgang mit der Schwesterpartei abstimmen lassen.

Persönlich will Seehofer keine Konsequenzen aus der historischen Wahlniederlage seiner Partei bei der Bundestagswahl ziehen. "Wenn jemand das anders will, dann soll er das sagen", sagte Seehofer am Montag vor einer CSU-Vorstandssitzung in München. Führende Christsoziale riefen dort demonstrativ zur Geschlossenheit auf.

Die stellvertretende Parteichefin Barbara Stamm etwa sagte, sie warne "dringend" vor einer Personaldebatte. Seehofer kündigte für die Christsozialen künftig einen "klaren Kurs Mitte-rechts" an. "Wir werden bestehen auf den Dingen, die wir der Bevölkerung versprochen haben in unserem Bayernplan." Dazu gehört auch eine Obergrenze für Flüchtlinge. Eine fixe Obergrenze wird von der CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel abgelehnt. "Wir haben eine tiefe Spaltung des Landes - unser Ziel ist, diese Spaltung zu überwinden" , sagte Seehofer.

Die CSU hatte in Bayern gegenüber der Bundestagswahl 2013 zehneinhalb Prozentpunkte verloren und war auf 38,8 Prozent abgerutscht. Für die Christsozialen ist dies das schlechteste Ergebnis seit 1949. Seehofer sagte, dies sei eine "herbe Enttäuschung" für ihn.

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry will der Fraktion ihrer Partei im Bundestag nicht angehören. Dies kündigte Petry am Montag an. Unmittelbar danach verließ sie die gemeinsame Pressekonferenz der Parteiführung.

SPD nimmt "Oppositionsauftrag" an

Die bisherigen Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD verloren zusammengerechnet rund 14 Prozentpunkte. In Bayern setzte es für die CSU ein historisches Debakel.

Merkel sagte, die Union habe "die strategischen Ziele des Wahlkampfs erreicht". Die Union sei stärkste Kraft geblieben, habe einen Regierungsauftrag erhalten und "gegen uns kann keine Regierung gebildet werden". Dass CDU/CSU wieder den ersten Platz erreicht hätten, "ist nach zwölf Jahren Regierungsverantwortung alles andere als selbstverständlich", sagte sie. Zugleich kündigte sie eine Analyse des Wahlergebnisses an, weil die Union die AfD-Wählerinnen und -Wähler zurückgewinnen wolle.

Schwierige Regierungsbildung

Kanzleramtsminister Peter Altmaier kündigte an, dass die Union "auf alle Parteien zugehen" werde. Die Regierungsbildung dürfte sich äußerst schwierig gestalten. Nach der Absage der SPD ist nur noch ein Dreierbündnis der Union mit der FDP und den Grünen möglich. Für eine solche Jamaika-Koalition müssten die Parteien aber erhebliche inhaltliche Differenzen überbrücken.

FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki machte klar, dass ein Jamaika-Bündnis für seine Partei "keine Selbstverständlichkeit" sei. Nur weil die SPD sich "vom Acker mache", bedeute das nicht, dass die Liberalen "die Ausputzer" seien, sagte Kubicki in der ARD. Auch die Grünen äußerten sich zurückhaltend zu einer Regierungsbeteiligung, die sie allerdings nicht ausschlossen. "Das werden komplizierte Gespräche", sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. "Wir sind auch kein einfacher Partner, das ist klar."

Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht gab der Großen Koalition die Hauptschuld am Erfolg der AfD. Sie zeigte sich erfreut damit, dass die Linke das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte erreicht habe, räumte aber ein, dass ihre Partei "vielleicht bestimmte Probleme ausgeklammert" habe, aus Sorge, Ressentiments zu schüren. "Aber am Ende hat man dann der AfD überlassen, bestimmte Dinge anzusprechen, von denen die Menschen einfach erleben, dass sie so sind."