Wien/Berlin. (klh) Der Versicherungsmanager Kay Gottschalk bezeichnete die deutsche Gesellschaft als "ökoextremistisch". Der frühere Polizeiausbilder Willhelm von Gottberg hat laut Recherchen der "Zeit" als Vorsitzender der Landsmannschaft Ostpreußen den Holocaust als "wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen" bezeichnet. Sebastian Münzenmaier wiederum wurde als Kaiserslauterer Fußballhooligan auffällig, gegen ihn läuft ein Verfahren wegen schwerer Körperverletzung. Ein ganz anderes Gesicht zeigte bisher Alice Weidel: Die 38-jährige Unternehmensberaterin arbeitete früher für die Großbank Goldman Sachs, lebt in einer lesbischen Beziehung und zieht mit ihrer Partnerin, die Wurzeln auf Sri Lanka hat, zwei Kleinkinder auf.

Was die vier Politiker eint: Sie alle werden für die Alternative für Deutschland (AfD), die bei der Wahl am Sonntag mehr als zwölf Prozent der Stimmen abräumte, im künftigen Bundestag sitzen. Die Fraktion eint Personen vom extremen rechten Rand mit Konservativen. In ihr befinden sich frühere Mitglieder von CDU und FDP, aber auch viele Politneulinge. Auch der eine oder andere Karrierist scheint sich darunter zu befinden. Die Marschrichtung im Bundestag hat Spitzenkandidat und Mastermind Alexander Gauland schon vorgegeben: Man werde Kanzlerin Angela Merkel "jagen", verkündete der 76-Jährige nach der Wahl. Von der AfD ist beinharte Oppositionspolitik zu erwarten. Schafft es die Partei aber auch, eine Einheit zu bleiben? Am Montag gab es jedenfalls bereits den ersten Richtungsstreit samt Austritt aus der Fraktion.

Frauke Petry, die in ihrem Wahlkreis in der Sächsischen Schweiz gar ein Direktmandat erringen konnte, sorgte für ihre eigene Show: Bei einer Pressekonferenz mit Weidel und Gauland lobte sie zunächst das gute Abschneiden der AfD. Um gleich darauf zu bekunden, dass sich die Partei viel zu wenig von Personen und Aussagen vom rechten Rand distanziere. Deshalb wolle sie mit der künftigen AfD-Fraktion im Bundestag nichts zu tun haben. Dann stand sie auf und ging.

Petry will nun als fraktionslose Abgeordnete ins Parlament einziehen. Als Parteichefin wird sie sich so kaum halten können. Insgesamt fünf Prozent und damit 36 der 709 Parlamentarier müsste Petry für eine eigene Fraktion vereinen, das gilt als äußer unwahrscheinlich. Allerdings reichen schon drei Abgeordnete, um eine Gruppierung zu bilden, die zwar weniger als eine Fraktion darf, aber doch Rede-, Mitglieds- und Antragsrechte in den Ausschüssen hat.